Archiv für November 2010

Vor dem nächsten Auswärtsspiel – Ein Ausblick

Noch eine Woche und dann heisst es wieder für zweimal 40 Minuten alles geben. Am kommenden Samstag (4.12.) geht es in den Westen nach Nordhorn. Dort wird der RSC auf die Gastgeber und auf den jahrelangen Erzrivalen aus Dinklage (Dragon Wheelers) treffen.

Die Baskets aus Nordhorn waren am 10.10. bereits Gast in Osnabrück. Damals konnte das Spiel knapp aber entschlossen mit 41:36 gewonnen werden. Die Drachen aus Dinklage bestritten am letzten Wochenende ihre ersten beiden Saisonspiele und musste zwei bittere und deutliche Niederlagen verzeichnen. Sie verloren mit 28:34 gegen Nordhorn und mit 26:51 gegen Rahden.

Genau diese Spiele waren es die unsere Mannschaft von der Tabellenspitze vertrieben haben. Rahden steht im Moment, trotz der letzten beiden technischen Niederlagen mit derzeit 8:4 Punkten auf Platz 1. Der RSC steht mit 6:2 Punkten knapp dahinter auf Platz 2. Ein Sieg am nächsten Wochenende der Osnabrücker_innen würde ausreichen um die Spitze wieder zu besetzen. Es muss auf jeden Fall ein deutlicher Sieg her um das dominierende Korbverhältnis der Rahdener_innen (178:139) annähernd zu gefährden. Der RSC verzeichnet eine Korbdifferenz von 26 Punkten (116:90).

Der RSC ist allerdings im Moment dennoch Spitzenreiter. Worin? In der Foulstatistik. Ganze 33 Fouls wurden gegen unsere Mannschaft gepfiffen. 11 Mehr als die dahinter liegenden Nordhorner_innen. Den letzten Platz belegt der RSC, fast schon traditionell, in der Freiwurfstatistik. Nur 2 Treffer von 19 Versuchen wurden getroffen. Wir hoffen, dass die Osnabrücker Trainer dieses trainiert haben.

Schade finden wir, dass es in der Nordhorner Sporthalle keine Tribüne gibt. Die gute Stimmung aus den vergangenen Spielen ist also ein wenig gefährdet. Dennoch werden wir unseren Platz einnehmen und dann halt auf Kopfhöhe unser Team anfeuern. Ob dieses eventuell sogar ein Vorteil bedeutet, wird sich nächste Woche zeigen. Wir sind gespannt.

Anpfiff für Osnabrück ist um 11 und das zweite Spiel um 13 Uhr.

Fußgänger_innen und Rollstuhlbasketball – Ein Widerspruch? Nein – aber…

Einen Widerspruch bedeutet die Teilnahme der so genannten Fußgänger_innen im Rollstuhlbasketball sicher keinesfalls. Aber es ist eine „never ending story“ und erfordert eine Stellungnahme.

Vor vielen Jahren gab es anscheinend nicht genügend Rollstuhlfahrer_innen die Basketball gespielt haben. Um den Sport attraktiver für die Spieler und Zuschauer zu gestalten wurden auch Nichtbehinderte (NB) zugelassen. Dieses geschah allerdings mit besonderen Einschränkungen. Um eine nicht zu deutliche körperliche Überlegenheit gegenüber behinderten Sportler_innen zu unterstützen, wurde eine Klassifizierungsregel erstellt.
Dieses bedeutet, dass jede/r einzelne/r Spieler_in individuell eingestuft wird. Es beginnt bei 1,0 Punkten und geht in 0,5er Schritten bis maximal 4,5 Punkten für Nicht-, oder Minimalbehinderte. Kurz gesagt: Je weniger behindert ein Mensch ist, umso mehr und je eingeschränkter ein/e Spieler_in ist, desto weniger Klassifizierungspunkte bekommt diese/r Spieler_in. Ein komplettes Team auf dem Spielfeld darf allerdings mit 5 Spieler_innen nicht mehr als 14,5 Punkten zählen. Bis zur letzten Saison waren dieses noch 14,0 Punkte. Eine Entwicklung die nicht unwichtig ist und besonders für behinderte Spieler_in unter Umständen große Einschränkungen bedeuten.
Ein Team darf außerdem nicht mehr als 2 NB’s auf dem Feld haben. Auch dieses hört sich zunächst „fair“ an. Das dieses selbstverständlich alles andere als fair ist zeigt der Spielbetrieb. Ein Beispiel: Zwei NB’s bedeuten insg. 9 Punkte (2×4,5). Bis zu den erlaubten 14,5 Punkten sind also noch 5,5 Punkte für 3 weitere Spieler_innen frei. Somit haben also überhaupt auch niedrig klassifizierte und behinderte Sportler_innen eine Chance eingesetzt zu werden. Das alles klingt so verrückt wie es ist: Es scheint als würde dort Sport von Nichtbehinderten mit Rollstuhl stattfinden und eingeschränkte Spieler_innen dürfen auch noch mitspielen.

Aktuell sind in der laufenden Landesliga Saison 10/11 unter den 10 Topscorern fünf 4,5 Punkte, ein 4,0 Punkte, zwei 3,5 Punkte Spieler_innen und ein 3,0 Punkte-Spieler. Nur ein Spieler hat 1,5 Punkte.
Auf den Top 20 Spieler_innen kommen nur 8 Spieler_innen mit und unter 3,0 Punkten. Der erste 1,0 Punkte Spieler steht auf Platz 22. Und das in der untersten Liga. In der ersten Bundesliga sind sogar sechs von 10 Spieler_innen 4,5 Punkte-Spieler_innen unter den Top 10.

Doch es kommt noch schlimmer
Die bereits von uns scharf kritisierte Frauenregelung (die heisst so wirklich) ermöglicht Trainer_innen mehr hoch klassifizierte Spieler_innen einzusetzen und mehr-behinderte Sportler_innen auf die Bänke zu setzten. Frauen werden im Rollstuhlbasketball anders behandelt als Männer. Eine Stellungnahme hierzu haben wir bereits in unserer Selbstdarstellung auf dieser Seite veröffentlicht und möchten auf diese verweisen. Um den Sport auch für Frauen attraktiv zu machen wurde für sie ein „Anreiz“ von 1,5 Bonuspunkten eingeführt. Diese Bonuspunkte gelten allerdings auch für nichtbehinderte Frauen. Zwei nichtbehinderte Frauen sind somit keine 9 Punkte mehr, sondern nur noch 6 Punkte. Die jetzt restlichen 8,5 Punkte können durch Wenig-Behinderte „aufgefüllt“ werden und die Chancen für Menschen mit deutlicheren Einschränkungen eingesetzt zu werden schwinden noch mehr als eh.

Selbstverständlich wollen wir Zuschauer_innen spannenden und attraktiven Sport sehen. Doch warum sollte diese ohne Fußgänger nicht gehen? Wir wissen es nicht! Wir wissen auch nicht, was die für Frauen diskriminierende Bonusregelung in einem modernen Sport zu suchen hat. Wir wollen auf keinen Fall, dass Fußgänger_innen vom Rollstuhlbasketball ausgeschlossen werden. Dieses wäre wiederum ziemlich verkürzt. Was wir aber fordern ist eine Anpassung der Regeln und ein Zurück zum Behindertensport. Wir fordern die Wiedereinführung der 14,0 Punkte Regelung und eine komplette Abschaffung der „Frauenregelung“ und außerdem eine Einschränkung der am Spiel teilnehmenden nicht-behinderten Menschen

Riot Shocker Crew | November 2010