Archiv für November 2011

Der unvermeidbare Spieltag in Rahden (16.10.2011)

(sp) Wieder haben wir uns lange zurück gehalten, bevor nun also unsere Bewertung des Spieltages erfolgt. Das liegt an verschiedenen Faktoren. Das Sacken lassen der Eindrücke, Ausnüchtern, Lohnarbeit oder Arbeitsamt und nicht zuletzt das Sortieren der Punchlines.

Glaubt ihr nicht? Dann werden wir den Versuch starten, aufzuweisen, dass ein Spieltags Kommentar manchmal erst reifen muss. Die nachfolgende Wortlawine wird eine grüne-weiße Spur der Verwüstung jeglichen Literaturverständnisses nach sich ziehen. Brecht also lieber jetzt ab, als am Ende brechen zu müssen. Und sagt nicht, ihr wärt nicht gewarnt worden.

Am 16.10.2011 war es endlich wieder so weit. Die neue Saison sollte starten und führte uns am ersten Spieltag nach Toiletten-Rahden. Ein Ort, der aussieht als sei er einziges Urinal und trotzdem ist es nicht genehm den nächstbesten Busch aufzusuchen. Aber komisch wurde sich in Rahden eh verhalten.

An besagtem Sonntag traf sich die Crew also in aller Frühe um die minimale Chance zu nutzen, doch einmal pünktlich am Ort des Spielgeschehens einzutreffen. Vollzählig… Eigentlich nicht. Da der UBC Münster bekanntlich nicht mehr in unserer Liga weilt und wir somit einer Rivalität beraubt worden sind, begaben wir uns auf die Suche nach neuen Möglichkeiten Münster negativ zu erwähnen. Leider war die Suche erfolglos. Allerdings hatte sie den netten Effekt, dass das Umfeld der Crew erheblich gewachsen ist und so wurde kurzerhand die Sektion Münster gegründet. Diese war am Sonntagmorgen dann auch mit eigenem Banner vertreten. Nur von der Sektion selbst war keiner da. Tja, Münster halt. Das Banner durfte dann auch kopfüber dem Spiel beiwohnen.

Also vollzählig, bis auf die Schnarchnasen der Sektion Münster, ging es pünktlich Richtung Rahden. Störmanöver wie Dunkelheit, Verkehrsschilder und Ampeln wurden rechts liegen gelassen und so erreichten wir fast eine Stunde vor Anpfiff die Rahdener Halle. Das wurde dann auch erst einmal ausgiebig begossen, während nebenbei der Tribünenschmuck angebracht wurde. Schon hierbei sorgte die merkwürdig anmutende Dekoration der Halle für Verstimmung, wird aber erst später in diesem Eintrag kommentiert.

Die Stimmung war schon vor Spielbeginn deutlich greifbar und der Gastgeber durfte direkt gegen den RSC Osnabrück antreten. Zur Halbzeit konnte sich ein profitabler Vorsprung von 11 Punkten erspielt werden (6:17), der am Ende des Spiels noch deutlicher ausfiel (10:40). Hatten wir eine solche Differenz schon einmal? Es war auf jeden Fall ein engagiertes und ehrgeiziges Auftreten, mit dem der RSC Osnabrück den Gegner hier auf dem Platz dominierte und wurde von der Tribüne ebenso euphorisch unterstützt. Auch wenn der RSC Osnabrück spielerisch überlegen war, war der Knackpunkt im Spiel wohl die Ausbeute Rahdens bei den Freiwürfen. So konnten von gefühlten 15 Freiwürfen keiner verwandelt werden. Ob dies nun tatsächlich daran lag, dass irgendwer unser Liedgut manipuliert hat, oder unser Trommeltroll kein Taktgefühl hat und deswegen bei den Freiwürfen eine unheimliche Disharmonie von der Tribüne knallte, lies sich nicht feststellen.

Am Ende des Spiels behielt so oder so unser Spruchband, dass Eingangs gezeigt wurde, Recht: Dreimal dürft ihr Rahden wer heute verliert!

Während des Spiels trudelte dann auch irgendwann die Nordhornfraktion ein. Diese wurde wie gewohnt begrüßt und alleine hierfür müssten wir uns bald Liederbücher anlegen. Die glänzen ja einfach nur mit Unzulänglichkeiten und diese ausreichend in Liedtexten zu thematisieren gestaltet sich zunehmend anstrengend. Auf einer Tapete zeigten wir das, indem wir die Spieltags Terminierung ein weiteres Mal aufgriffen, da es uns diese Saison ja nicht zusteht, nach Nordhorn zu reisen. Irgendwie passt es allerdings in die Reihe. Wenn in Nordhorn schon die Tribüne, die Heizung, der Alkoholkonsum fehlt, warum soll dann Nordhorn nicht einfach ganz fehlen. Eine angenehme Vorstellung. Die Tapete tat jedenfalls treffend kund: Wer will schon nach Nordhorn?

Beim zweiten Spiel des RSC Osnabrück gegen eben Nordhorn brachten sich dann tatsächlich mitgereiste Nordhorner in Position um ihr Team zu unterstützen. Warum sie dies taten ist natürlich komplett schleierhaft. Es muss wohl am falschen Geburtsort liegen. Der Versuch uns damit zu übertönen kann allerdings ohne Umschweife gewürdigt werden. Selbstredend, dass es beim Versuch blieb.

Das zweite Spiel gestaltete sich komplett anders als das erste Spiel des Tages. Es war um einiges kampfbetonter und den Mannschaften konnten die Mühen beim Durchsetzen ihrer Spielzüge angesehen werden. Nach einer spannenden ersten Hälfte führte der RSC Osnabrück mit 14:9. Genauso wie der RSC Osnabrück erst kurz vor der Halbzeit seine Führung erzielen konnte, war auch längst nicht sicher, wer hier den Platz als Sieger verlassen sollte. Am Ende konnte sich dann Nordhorn mit 20:29 durchsetzen und es konnte beobachtet werden, wie der RSC Osnabrück wirklich am Ende seiner Kräfte war. Nach einem fulminanten Sieg und einem kräftezehrenden zweiten Spiel aber auch nicht wirklich verwunderlich. So kam es im Verlauf des Spiels immer wieder zu Fehlern, die ab und an direkt bestraft wurden. Denn auch, wenn Nordhorn so viele Freiwürfe vergab, wie im ersten Spiel Rahden, wurden ihnen dennoch genug Freiwürfe zugesprochen um aus diesen doch noch Kapital zu schlagen.

Nach dem Ende des Spiels begaben wir uns zwecks weiterer Alkoholzufuhr und kaputten Stimmbändern wieder Richtung beheimateter Stammkneipe und somit lässt sich die Leistung von Rahden gegen Nordhorn hier auch nicht analysieren. Auf dem Blatt liest es sich fast wie ein Abklatsch (10:32/2:20) des ersten Spiels. Ob für dieses Ergebnis Bestechungsgelder flossen, oder Rahden die Orientierung noch nicht wieder gefunden hatte, nachdem der RSC Osnabrück sie schwindelig gespielt hatte, ist bei dieser Betrachtung vorerst egal.

Der Rückweg wurde gewohnt marodierend und brandschatzend hinter sich gebracht und anschließend der Start der Saison bei dem einen oder anderen Gerstensaft verköstigt. Hierbei gab es dann noch einen unschönen Moment, als ein verfeindeter Ultrà sich in zivil unter die Feierenden mischte und dafür sorgte, dass unser Vorbildsufftra anschließend mit Kopfverband und nasser Hose den Tag verbringen musste. In diesem Sinne gilt unsere ganze Solidarität dem Verletzten, der später auch noch seiner Hose entledigt wurde. Wir werden dich rächen! ;-)

Und auch, wenn das ein geeignetes Schlusswort bilden würde, müssen wir wohl doch noch eine Thematik aufgreifen. Als geneigtem Leser ist euch das aber wohl nicht entgangen. Sie wurde deshalb solange ausgespart, weil es eigentlich überflüssig ist, das noch zu kommentieren. Was kann mehr gesagt werden, als Deutschland ist überflüssig?

Es war nun nicht das erste Mal, dass wir in Rahden zu Gast waren und so sind die Örtlichkeiten im Großteil vertraut gewesen. Und auch wir scheinen den Verantwortlichen vor Ort immer vertrauter zu werden. Wir haben aus unserer Ausrichtung nie ein Geheimnis gemacht und werden das auch zukünftig nicht. Wie können wir allerdings eine Halle, in der mehr Deutschlandfahnen als Fahnen der Heimmannschaft hängen, anders verstehen als pure Provokation? Dass die Nationalmannschaft nämlich ebenfalls gespielt hat ist unwahrscheinlich.

Die Fahne der Heimmannschaft ist zwar hässlich, aber die macht bei einem sportlichen Wettkampf einfach Sinn. Deutschland ist Unsinn.

Wir werden immer wieder mahnend den Mittelfinger heben, wenn ein Symbol für Unterdrückung und Ausgrenzung in diesem Maße präsentiert wird. Ebenfalls interessant, dass wir darauf angesprochen wurden, unsere Gesänge gegen Deutschland einzustellen. Irgendwie passt es in das Gesamtbild, dass uns untersagt wird uns politisch zu äußern, während da doch deutlich Politik gemacht wird. Und ja, Deutschlandfahnen bei einem sportlichen Wettkampf, der mit Deutschland eigentlich rein gar nichts zu tun hat, sind definitiv Politik.

Was ebenfalls nicht verneint werden kann, dass wir in dem Moment wo wir uns „hier“ bewegen in Deutschland sind. Ja, auch wir sind Deutschland. Und wir gehen doch konform, wenn wir sagen, wir sind scheiße, oder?

Na dann ist doch alles wieder im Lot -> Deutschland ist scheiße!

Auch wenn wir den Leistungsgedanken eines sportlichen Wettkampfes nur sehr bedingt gut finden, geht es für uns auf der Tribüne um den Support des Teams. Aber eben auch um die Rivalität zum Gegner während des Spiels. Alles andere wäre verwerflich, denn natürlich wollen wir, dass der RSC Osnabrück siegreich ist. Wenn das mal nicht der Fall ist, dann ist das auch nur ein Spiel gewesen. So sehen wir auch Gesänge gegen die gegnerische Mannschaft als legitimes Mittel des Supports an. Dieses muss aber zwingend differenziert zu den oben getätigten Aussagen betrachtet werden.

In diesem Sinne hat Nordhorn dann doch einmal etwas richtig gemacht. Nach dem Sieg gegen den RSC Osnabrück kam die Mannschaft vor die von uns besetzte Tribüne und machte die Welle. Das ist eine gesunde Rivalität und macht den nächsten Sieg gegen Nordhorn nur umso kostbarer. Wir freuen uns drauf. Bereits am 27.11.2011 findet dann das erste Heimspiel des RSC Osnabrück statt. Ohne Nordhorn, dafür mit Melle und Rahden. Tabellenführung ich hör dich trapsen!

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