Archiv für Dezember 2011

Winterpause selber machen

(sp) Seit dem 11.12.2011 ist somit auch offiziell Winterpause, der RSC Osnabrück kann ja bereits seit dem 27.11.2011 die Kräfte neu sortieren.

Doch wie das so ist, halten sich nicht immer alle an die Spielregeln. Besonders gewieft tut sich dabei immer wieder ein Verein hervor, dem es scheinbar ein ums andere Mal darum geht in diversen Verlautbarungen der Riot Shocker Crew aufzutauchen. Ist das aber ein Wunder, wenn selbst keine Internetpräsenz zur Hand ist? (Zumindest war es mir in meiner mir gegebenen Zeit nicht möglich, mich noch weiter durch das Internet zu suchen. Und das ist ja schon mal kein guter Ansatz für eine Internetpräsenz.)

Wer will schon nach Nordhorn?

Vielleicht hat unser Transparent des ersten Spieltages, Wer will schon nach Nordhorn, auch andere Vereine zum Nachdenken gebracht und die Rollibaskets Nordhorn mussten den dritten Spieltag der Saison 2011/2012 absagen, da keine Teams gekommen waren. Oder es war aussichtslos, das selbstverhängte Alkoholverbot bei den erwarteten Zuschauermeuten durchgesetzt zu bekommen. Eventuell wurde auch bemerkt, dass die Halle gar keine Tribüne hat und somit eigentlich gar keine geeignete Spielstätte ist. Aber wahrscheinlich ist nur einmal mehr die Heizung defekt.

Und so bleibt auch in der Saison 2011/2012 alles beim Alten. Baskets Rahden mit einer merkwürdigen Auffassung von einem kompletten Team (die haben mehr Punkte als das Sams), Rollibaskets Nordhorn mit ihrer „Möchtegern-Halle“-Hütte und der RSC Osnabrück rockt weiter auf dem Platz und in unseren Herzen.

Das nächste Spruchband für Nordhorn wird dann wohl ein großes HAHA! Irgendwas ist ja immer.

Wir sind um ergänzende Informationen bzgl. der Spielabsage erfreut. Entweder in der Kommentarspalte, per E-Mail oder auch im Vier-Augen-Gespräch.

Spielbericht Heimspieltag am 27.11.2011

(fy) Der Wecker klingelt:“… Puh… Gestern war anstrengend! Was passiert hier?“ Dies war vermutlich der erste Gedankengang aller Shocker_innen! Doch sobald kurz drüber nachgedacht wurde, warum mensch sich den Wecker an einem Sonntag auf eine so unmenschliche Zeit gestellt hatte kam es…: „Der RSC spielt heute in der Stadt!!! Das muss gefeiert werden!!!“.

Nachdem dann die, in feinster Kleinarbeit vorbereiteten Utensilien, abgeholt wurden und ein paar der fehlenden Sufftras per Telefon aus dem Bett geklingelt wurden konnte es losgehen. Auf zur Goethe Ring Arena!

Was den Hinweg angeht hätte ich nicht von mir gedacht, dass mein Bauch so dermaßen kribbeln kann. Ich war Nervös! Und das nicht zu knapp. Zum ersten mal ein Derby gegen Melle seit dem Turnier im Sommer 2010. Nur vorher noch kurz Rahden aus der Halle fegen.

Als wir dann endlich angekommen waren trauten wir unseren Augen kaum. Sogar die Langschläfer von der Sektion Münster haben es zeitig zur Halle geschafft und kaum zu glauben… Sogar mit einer Kiste Bier als Wiedergutmachung wegen des Fauxpas beim letzten Spiel gegen Rahden. Da haben die Trottel nämlich gleich um ein paar Stunden verpennt… Nachdem dann zum wiederholten Male unser Vorbildsufftra aus dem Bett geklingelt wurde konnte es mit dem Aufhängen unseres Zaun und Wandschmuckes beginnen. Als hätte der eben noch erwähnte Sufftra es geahnt, kam er nach getaner Arbeit und zu Beginn des Spiels angetapert und konnte direkt mit dem Support loslegen.

Das Spiel begann mit dem Präsentieren eines flotten Spruchbandes und lautem Support aus Richtung Tribüne. Nach einer bahnbrechender ersten Hälfte konnten wir zur Pause einen Spielstand von sagenhaften 22:4 feiern. Dies muss wohl an den neuen Gesängen gelegen haben, die Tage zuvor im stillen-dröhnenden Kämmerchen geprobt wurden. Oder einfach nur an der spielerischen Leistung des Teams. Möglicherweise resultierte die unglaubliche Trefferquote auch aus einer satten Mischung aus Beidem. Brachialer Gesang und basketballerisches Können seitens unserer 3.

Am Ende des überragenden Spiels konnten wir dann gut mit einem Sieg von 50:12 in die Wartezeit auf das 2. Spiel gehen.

Diese Pause sollte allerdings nicht ungenutzt bleiben. Schnell wurde bemerkt, dass es essenziell ist für Nachschub zu sorgen! JA… unsere Bierreserven neigten sich dem Ende!

Es machte sich also direkt ein Mensch der Truppe auf den Weg ins ungewisse. Verschollen blieb er glücklicherweise nicht sondern brachte gleich 10 Bier mit… NUR 10… Welche natürlich nicht einmal die ewig lange Pause überbrücken konnten. Also war es nun Auftrag irgendjemanden der Sufftras davon zu überzeugen mehr vom dem edlen Saft besorgen zu gehen, welches dann auch 2 Überredungskünstler_innen gelungen ist.

Auch ist es zu betonen, dass während der nie endenden Pause ein Mensch aus der Nachbarschaft zu uns gestoßen ist, der die Gesänge selbst ein paar Häuser weiter noch laut und deutlich hören konnte. An dieser Stelle also nochmal fetten Respekt an die Gesänge des 1. Spiels.

Endlich war es soweit. Der Nachschub ist eingetroffen und das 2. Spiel gegen Melle konnte beginnen. Nun sogar mit ein Paar nachgereisten Fans, die sich einen Heimspieltag nicht nehmen lassen wollten.

Eine Tapete mit der schönen Aufschrift „Wir sind nicht zu stoppen, der Castor schon“ wurde in die Höhe gehalten und der altbekannte Lärm, den die Riot Shocker Crew von sich gab, begann erneut. Nur dieses mal deutlich angeschlagener als beim ersten Spiel. Nichts desto Trotz brüllten wir uns die Kehle aus dem Leib.

Melle begann mit einem guten ersten Viertel dem sich der RSC aber vorerst nicht geschlagen geben wollte. Tragischer Weise konnte das Team den Vorsprung nicht ganz einholen und beendete die erste Hälfte mit einem Punktestand von 20:24 für Melle.

Sowohl auf dem Spielfeld als auch auf der Tribüne wurden die Grenzen erreicht und so gingen alle erschöpft in die 2. Hälfte. Diese zog sich viel zu lange hin und es machte sich bemerkbar, dass die Kräfte schwinden. Dennoch hielten einige der Sufftras ihre Fahne in den Wind und holten alles aus sich raus. Was wohl leider nicht genug war, denn am Ende wurde das Spiel mit 36:56 für Melle entschieden. Dass das Gewinnerteam des letzten Spiels gemogelt hat wollen wir hier mal nicht weiter ausführen. Schließlich könnte der Verdacht aufkommen wir seien schlechte Verlierer_innen! Aber diese Melleraner_innen….

Nach den beiden emotionsgeladenen Spielen an diesem schönen Sonntag ging die Chaostruppe voller Vorfreude auf das nächste Heimspiel mit einem Grinsen im Gesicht nach Hause. Der Weg sollte jedoch nicht ganz ungefährlich sein, da unser bereits mehrfach erwähnter Vorbildsufftra sich auf unerklärlicher Weise eine Zerrung im Fußgelenk zuzog. Selber Schuld würd ich sagen!

Zum Schluss nochmal ein Dankeschön an die Leser_innen der Hallenzecke und Beileid an den Menschen, dem Fußball dann doch wichtiger war. Er wurde jedoch per SMS ständig auf dem Laufenden gehalten und zeigte uns durch seine Antworten, dass er im Herzen doch bei uns gewesen ist…

Forza RSC

Weitere Bilder vom Spieltag

Auf der Suche nach dem Kick

Spielbericht vom Heimspieltag am 27.11.2011 (vom Hörensagen)

(sp) Was wäre das Leben bloß ohne anständige Kicks. Schon sehr früh wurde ich auf das Thema aufmerksam und die ersten Kickerfahrungen waren nur noch eine Frage der Zeit. Wenn ich anfänglich auch noch eher der Teil der Unterhaltung war, der vom Administrator aus dem Chat gekickt wurde, wandelte sich mit den Jahren die Herangehensweise und ich wurde mehr und mehr der Initiator von Kicks. Und ich konnte irgendwann nicht mehr ohne auskommen. Es musste immer wieder irgendwas gesucht werden, was einem den ultimativen, noch nie dagewesenen, Kick geben sollte. Manchmal war die Suche hierbei erfolgreich, einige Male scheiterte sie bereits im Ansatz, aber kein Mal wurde sie als unnötig, oder gar überflüssig wahrgenommen.

Es war klar, dass auch beim RSC gesucht werden sollte und so wurden schon relativ früh Grenzen gefunden und überschritten. Hier mal dem Vorstand eine lange Nase gezeigt, da mal die zahlenmäßigen Deutschlandfahnen als Toilettenpapier zweckentfremdet und sonst wo Veranstaltern auf dem Zapfhahn rumgetanzt. Aber letztendlich blieb der ganz große Adrenalinschub aus. So überlegte ich, welche Aktion rund um den RSC mein Herz noch schneller schlagen lassen würde. Ohne Kleidung supporten? Klang spektakulär, allerdings gab es ja Crewmitglieder, die bei der Saisoneröffnung bereits ihre Hose ablegten und wirklich bekickt sahen diese anschließend nicht aus. Sich als Nordhorner verkleiden und die Osnabrücker Ultrà-Fraktion provozieren? Eher nicht ratsam, da das betrunkene Pack die Provokationen wohl überhaupt nicht verstanden hätte.

Je mehr Zeit mit Bier weggespült wurde umso weniger Ideen entwickelten sich. Als beinahe klar war, dass das Heimspiel so aufgesogen wird, wie die bisherigen, überrannte mich dann allerdings eine fulminante Idee. Wie lässt sich der RSC noch intensiver, noch farbenfroher, noch lauter wahrnehmen? Aus der Entfernung. Wenn die Abgeschnittenheit zum Spiel die Fingernägel im Darmtrakt verschwinden lässt. Wenn die bange Frage nach dem Spielstand durch auf und ab hüpfen zu beantworten gesucht wird. Wenn das Handy klingelt und die schweißnasse Hand es nicht greifen kann, der Blick das Ergebnis, die Emotionen, irgendwas, sucht und feststellt, dass nur der Akku gepiept hat… dann, da war ich mir sicher und die Gänsehaut gab mir präventiv Recht, hätte ich eine weitere glorreiche Kickerfahrung.

Am Sonntag, den 27.11.2011, begab ich mich also sehr früh auf den Weg zum Spiel des RSC Osnabrück. Um 11:00 Uhr sollte es losgehen, also war ich relativ gut in der Zeit, als um 07:00 Uhr die Bastion di Goethe-Ring passiert wurde. Schließlich wollte ich ja noch einige Kilometer zwischen mich und den RSC Osnabrück bringen. An der Halle bestach mich beinahe das Gefühl, einfach zu warten bis der Rest der Crew aufläuft und anschließend den Gegner weg zu brüllen. Eine kurze, wehmütige SMS später, saß ich bereits im Zug. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Wobei immer noch massiv viel Zeit bis zum Start des Spieltages verblieb. Beide Spiele durch eine Spielpause getrennt.

Um dem Kick nicht selbst im Weg zu stehen, brauchte ich somit einen Platz, von dem ich nicht weg konnte. Die Gefängnisse, auf Grund der hervorragenden Arbeit von Verfassungsschutz und ähnlichen //Gangs// Organisationen vollkommen überlaufen, boten hier keine Möglichkeit. Also habe ich mich entschieden, die Nähe zur Polizei und irgendwas Käfigartiges zu suchen. Fündig wurde ich bei einem Fußballstadion. Also wurde eines ausgewählt, möglichst weit weg und billig, und die Reiseroute dahingehend überarbeitet. Kurz vor dem Tipp off in Osnabrück stieg ich an meinem Zielort aus dem Zug. Einmal tief Luft geholt und versucht, den Kopf frei zu bekommen. Schon zu diesem Zeitpunkt funktionierte das nicht mehr. Die Gedanken kreisten um den RSC Osnabrück. Um die Crew. Um die Hallenzecke… Gegenwart!

Hallenzecke verteilen. Bei einigen Empfänger_innen wird die Hallenzecke tatsächlich schon erwartet, alle andere werden durch die fehlenden Kosten zum „Kauf“ überredet. Im Fußballstadion ist noch nichts los und meine Anspannung ist riesig, also beschließe ich, meinem Körper zumindest etwas von dem zu geben, was er gerade wirklich braucht. Das Bier schmeckt gut und ich warte sehnsüchtig auf die erste Meldung aus Osnabrück. Um ca. 11:30 Uhr ist es soweit. Mein Handy will kaum aufhören zu rappeln, so viele Halbzeitmeldungen prasseln auf meinen Speicher ein. 22:4 zur Halbzeit! Komfortabel ist mein Sofa, der Halbzeitstand ist einfach nur hart zufriedenstellend! Ich beschließe vor lauter Freude für jeden Punkt ein Bier zu trinken und stelle um ca. 12:15 Uhr erschrocken fest, dass ich dann aber mal langsam zulegen muss. 36:10! In mein betrunkenes Bewusstsein schleicht sich der Zweifel, ob die Riot Shocker Crew das mit dem Spielstand vielleicht nicht so ganz ernst nimmt und mir einfach Schuhgrößen oder Speisekartenpositionen in den SMS nennt. Um ca. 12:45 Uhr verabschiede ich mich bei einem Endstand von 50:12 ins Delirium.

Vom Fußballspiel bekomme ich kaum was mit. Ab und an versuche ich die neuen Riot Shocker Crew Gesänge im Stadion durch zu bekommen. Ich werde darauf aufmerksam gemacht, dass keines der spielenden Teams in grün-weiß rumläuft, schiebe die Verantwortung für meine Artikulation in meine Bierflasche und trinke sie anschließend auf. Das Fußballspiel endet mit einem Gewinner (bei mir war es der Alkohol) und die Rückreise wird angetreten. Es dauert lange, bis die nächste spielbezogen SMS aus Osnabrück kommt. 20:24 zur Halbzeit für Melle . Der RSC Osnabrück wieder ausgepowert? Die Riot Shocker Crew scheint es auf jeden Fall. Verschiedene Meldungen erreichen mich, in denen ein mangelnder Support attestiert und die Ursachen verschieden ausgelegt werden. „Du bist nicht da, also keine Stimmung“ (Kaina), „Du bist nicht da, sonst wäre hier eh noch beschissenere Stimmung“ (Känguruh), „Wo bist du auf einmal hin. Seitdem du weg bist, ist die Stimmung nicht mehr so gut wie vorher“ (Vorbildsufftra).

Dass zwei Spiele mit einem Spiel Unterbrechung anstrengend sind, haben wir ja bereits erfahren. Auch ist die „Bier-für-Punkte“-Methodik keine ganz neue. Aber 50 (!) Punkte? Kein Wunder, dass von der Crew mehr Lallen als Lala kam. Am Ende muss sich Melle mit 36:56 geschlagen gegeben werden. Mein Zug fährt in Osnabrück ein und ich denke über den Tag nach. Das Spiel wurde auf jeden Fall anders verlebt als die bisherigen und hatte definitiv seine starken Momente. Aber der erfahrende Kick kam dann bei Weitem nicht an das Liveerlebnis eines Spieles des RSC Osnabrück ran. Noch dazu in der heimischen Halle. Schon jetzt ist klar, der nächste Spieltag wird von der Tribüne aus geguckt… vielleicht ja nackt.

Sexismus einen Korb geben!

(hl) Ein Thema das uns seit unserem Interesse für Rollstuhlbasketball beschäftigt ist die schon häufig von uns kritisierte Bonuspunkte Regelung für Frauen. Für Menschen, die diese Regelung (noch) nicht kennen möchten wir sie kurz erklären und später auf den Fehler im System aufmerksam machen.

Jede_r Spieler_in wird je nach Behinderungsgrad von einer unabhängigen Kommission eingestuft und erhält die so genannten funktionalen Klassifizierungspunkte. Angefangen bei 1,0 Punkten für stark eingeschränkte Menschen geht es in 0,5er Schritten bis zu 4,5 Punkten. Nicht-behinderte Spieler_innen bekommen automatisch die maximalen Klassifizierungspunkte von 4,5 Punkten mit den Zusatz NB für Nichtbehindert. Dieses hat den Zweck, dass ein_e Trainer_in nicht mehr als zwei nichtbehinderte Spieler_innen gleichzeitig aufs Feld schicken darf. Ein Team mit üblicherweise insgesamt fünf Spieler_innen auf dem Feld darf im Gesamten nicht mehr als 14 Punkte (in der 1. u. 2 Bundesliga sowie der Regionalliga 14,5 Punkte) zählen. Dieses soll einen Ausgleich zwischen den unterschiedlich bzw. gar nicht behinderten Sportler_innen herstellen. Soweit so gut. Wäre da nicht noch eine Regelung die die Gesamtpunktzahl tangiert. Frauen, lassen wir erst mal dahin gestellt wer genau das definiert, erhalten automatisch 1,5 Bonuspunkte abgezogen. Eine 4,5 Punkte Spielerin ist also nur noch eine 3,0 Punkte Spielerin. Frauen können demnach auch eine negative Punktzahl bekommen. Da es in Deutschland, ausgenommen von Turnieren oder Nationalmannschaften, geschlechtergemischte Teams gibt, erhalten Trainer_innen die Frauen aufs Feld schicken, ganz andere strategische Möglichkeiten ihr Team zusammen zustellen. Und genau da beginnt unsere Kritik.

Rollstuhlbasketball hat sich zum Leistungsport entwickelt. Eine Medaille die, wie bekanntlich jede, zwei Seiten hat. Die eine zeigt uns attraktiven und spannenden Sport und bietet den Sportler_innen viel Raum zur Entfaltung. Die andere Seite zeigt einen Anspruch den Menschen nicht erfüllen können oder möchten. Trainer_innen stehen oft genau in diesem Spannungsverhältnis. Einerseits sind sie Trainer_innen in einem Sport für Behinderte und andererseits möchten sie Erfolge praktizieren. Diese Entwicklung aufzuhalten oder zu verändern wurde nie wirklich erfolgreich verfolgt. Genötigt vom Erfolgsdruck, sei er persönlich oder von außen gefordert, unternehmen Trainer_innen nachvollziehbar alles um diesem Anspruch gerecht zu werden. Dazu zählt auch das Einsetzen von weiblichen Spielern als taktisches Mittel. Liebe Trainer_innen: Versteht uns nicht falsch. Der Schreiberling dieses Textes hat über zehn Jahre im Rollstuhlbasketball als Trainer gearbeitet und weiss wovon er redet. Es ist ein Zustand der nur durch Euren Protest beendet werden kann. Löst Euch von Eurem Zwang um jeden Preis siegen zu wollen. Es ist immer noch ein Behindertensport!

Zurück zur Kritik: Selbstverständlich sind Frauen keine taktischen Mittel. Sie werden zu einem solchen gemacht. Weibliche Spieler bekommen bei vielen Trainer_innen überhaupt nur die Chance eingewechselt zu werden weil irgendwann mal irgendjemand gesagt hat welches Geschlecht sie haben sollen. Damit meinen wir selbstverständlich nicht die konstruierte und abstruse Idee von genetischen oder gar optischen Geschlechtern sondern vielmehr die Tatsache von gesellschaftlichen Geschlechtern. Bereits nach der Geburt erhalten wir ein Bändchen an den Arm getackert, entweder in blau für Menschen mit Penis oder in rosa für Menschen ohne Penis. Kurz nach, oder sogar schon vor der Geburt, steht der Name des Kindes fest. Unsere Gesetze lassen nicht zu, dass Namen nicht zu dem definierten Geschlecht passen. Ein Junge heißt wie ein Junge nun mal heißen darf und ein Mädchen wie ein Mädchen. Das Kinderzimmer wird rosa oder blau gestrichen, die Kleidung entsprechend gekauft und womit das Kind schließlich spielen darf entscheidet das soziale Umfeld. Typische Jungs spielen mit Autos – Mädchen mit Puppen oder in der Spielküche und beide erlernen, bevor sie überhaupt sprechen können, was von ihnen später verlangt wird. Trifft man auf der Straße einen alten Schulfreund und schiebt sein Kind vor sich her kommt unausweichlich die Frage: „Was isses denn?“ Mit einer Antwort wie: „Keine Ahnung. Es hat sich noch nicht entschieden“ wird man sicherlich nur auf Spot oder Unverständnis stoßen. Ist ein Kind lebhaft und hat einen Penis bekommt man zu hören: „Na der wird sich später aber mal richtig durchsetzen können. Ein Prachtbursche!“. Ein lebhaftes Kind ohne Penis wird rebellisches Verhalten prognostiziert mit dem die Eltern noch ihren Spaß haben werden. Weinende „Mädchen“ sind als positive Eigenschaft emotional und weinende „Jungen“ sind Mimosen. Woher dieses Erwartungsbild kommt können wir aufgrund des Umfangs hier nicht in Gänze erläutern. Auch, weil es zu einer Meinung hunderte andere gibt und wir nicht den Anspruch erheben wollen, hier stehe die einzige Wahrheit.

Wir sind nicht der Meinung, dass eine zwei-Geschlechter-Teilung notwendig ist oder gar Sinn macht. Eine Aufteilung lässt keinen individuellen Spielraum für Menschen die sich keiner Geschlechterrolle zuordnen wollen oder von beiden Geschlechtern Anlagen in bzw. an sich tragen. Aus diesem Grund befindet sich in allen unseren Texten der so genannte Gender-Gap. Also der Unterstrich bei Spieler_innen bei dem sich jeder Mensch wiederfinden kann.

Was also soll diese gesonderte Punkteregelung für definierte Frauen? Es macht absolut keinen Sinn außer, dass weibliche Spieler in eine Rolle gesteckt werden der sie als „Frau“ eh schon Tag für Tag ausgesetzt sind. Das Bonussystem im Rollstuhlbasketball spiegelt die gesellschaftlichen Zustände des Systems wieder in dem wir leben. Teile unserer Politik fordern eine gesetzliche Frauenquote am Arbeitsmarkt. Warum fängt man nicht einfach an die Geschlechtszuteilung überhaupt mal zu hinterfragen? Und warum findet eine so diskriminierende Regelung Platz in einem eigentlich recht emanzipatorischen Sport wie dem, den wir so lieben? Weil sich niemand beschwert. Trainer_innen profitieren von der Sonderrolle und Spieler_innen ohne Penis bekommen häufig nur dadurch die Chance mitspielen zu dürfen. Ein Kreislauf den es zu durchbrechen gilt. Macht einen Anfang und redet drüber!

In diesem Sinne: Sexismus nicht nur im Rollstuhlbasketball einen Korb geben!

Text veröffentlicht in der Hallenzecke #2