Archiv für April 2012

Schwitzen für den RSC – Zur Sauna gehen ist (k)ein Verbrechen

(sp) In einer so produktiven Gruppe, wie wir sie darstellen, kann es schon einmal einen Moment dauern, bis der Spieltagsbericht verfasst wird. So haben bei uns selbst die Arbeitslosen zu wenig Zeit und mittlerweile ist die Saison abgeschlossen. Spätestens jetzt ist also der Zeitpunkt gekommen, hier mal wieder ausgiebig Gegner_innen durch den Kakao zu ziehen, grün-weiße Melodien abzufeiern und den RSC Osnabrück für diese Saison zu huldigen.

Vorbereitungstreffen Rahden

Beginnen wir das Ganze beim vorletztem Spieltag, dem 12. Februar 2012, und dem Gastspiel in Rahden. Am Vorabend trafen sich einige Menschen der Riot Shocker Crew um das nötigste für die Spiele am kommenden Morgen vorzubereiten. Das bedeutet dann, dass noch mal eben die Choreografien gefertigt werden und die Anfahrtsplanung begonnen, verworfen und letztlich als irrelevant abgetan wird. Auch diesmal sollte das Treffen ausarten und die ersten, aus der Halle bekannten, Melodien dröhnten bis weit in die Nacht durch Osnabrück. Hierdurch morgens mit dem einen oder anderen Ohrwurm präpariert, erreichten wir wieder einmal pünktlich die Halle in Rahden. Authentizität ist der Riot Shocker Crew wichtig und so wurden direkt beim Aussteigen die ersten Biere zerworfen und die daraus resultierende Bierlache auf der „Sufftras“-Fahne gefeiert. Was sollte schon schief gehen, wenn die Fahne eine Fahne hat und das noch dazu an einem Spieltag der auch sonst ganz im Zeichen der Fahnen stand.

Beim Betreten der Halle, bzw. auf dem Weg zu dieser, wurde die Riot Shocker Crew nämlich direkt abgefangen und in ein Gespräch verwickelt. Es stellte sich heraus, dass beim letzten Besuch der Riot Shocker Crew in Rahden wohl eine Fahne des Gastgeberteams entwendet worden sein soll. So etwas zieme sich ja nun gar nicht, weswegen wir eine neue zu bezahlen hätten, bevor uns der Eintritt in die Halle gewährt werden würde. 20 Euro wollte der gute Mensch, der seinerseits nicht mal einen Ausweis parat hatte, welcher ihn zu dieser Forderung berechtigtet hätte. Nach diversen Spendenaufrufen konnte der Betrag von der Riot Shocker Crew gestemmt werden und wenn wir das nächste Mal in Rahden sind, erwarten wir eine nagelneue Rahdenfahne, sonst kommen wir darauf zurück. Korruption im Sport ist ein Unding!

Durch das Bedrohungsszenario, welches im Gespräch gezeichnet wurde, zwar eingeschreckt aber nicht verängstigt, durfte die Halle betreten werden. Eine Person musste ihren Mut erst einmal zur Schau stellen und ignorierte nicht nur die Warnungen vor herumlaufenden Fahnendieben und sonstigem Diebsgesindel, sondern verzichtete direkt auf das Abschließen des Fahrzeuges. Doch damit nicht genug, wurde der Zündschlüssel stecken gelassen. Respekt vor so viel Mut und ich hoffe, die Gruppe die deswegen im Anschluss an die Spiele nach Hause laufen musste ist mittlerweile dort auch angekommen.

Der oben erwähnte Gesprächsbefugte aus Rahden hatte unsere Strafspende und das Gespräch wohl etwas zu sehr als Kommunikationsversuch wahrgenommen und ließ sich danach kaum noch in seinem Redefluss stoppen. Unsere zweite große Liebe neben dem RSC, die zum Bier, könne er nachvollziehen, doch müsse er sie ähnlich wie unsere mögliche Antipathie gegen Rahdener Fahnen bestrafen. Wir mussten auf unsere eigenen mitgeführten Alkoholmaterialien verzichten und sollten bei Bedarf auf die der Gastgeber_innen zurückgreifen. Der Bedarf bestand auf jeden Fall und nach diversen weiteren Spendenaufrufen konnte eine Bierkiste auf der Tribüne präsentiert werden, welche mit 25 Euro nur schwer als finanzierbar gelten kann. Wir lernen daraus, lieber Fahnen klauen als (erlaubt!) Bier in der Halle konsumieren. Kommt günstiger.

Auch wenn die Preispolitik in Rahden nicht ganz nachvollziehbar ist, so hatte das Ganze natürlich ein gutes. Wir durften Bier trinken, wir wurden indirekt sogar dazu ermutigt. Das haben wir an anderen Orten auch schon anders erlebt und so bleibt irgendwie ein positiver Aspekt hängen. In diesem Sinne dann einfach auch mal ein Danke an die Organisator_innen aus Rahden.

Unser letztes Gastspiel in Rahden wurde durch eine intensive Fahnendebatte geprägt, war doch jeder sichtbare und nicht sichtbare Fleck der Halle mit Deutschlandfahnen bestückt worden. Dies wurde damals schon kritisch aufgenommen und bewertet und so begnügte sich die Riot Shocker Crew am 12. Februar den Sachverhalt nur auf einem Transparent aufzugreifen, mit diesem aber treffend kundzutun: Dreimal dürft ihr rahden… was wir von euren Fahnen halten.

Dreimal dürft ihr rahden... Was wir von euren Fahnen halten

Im ersten Spiel trat der RSC Osnabrück gegen Rahden an und der erwartete Sieg wurde eingefahren. Durch ein Endergebnis von 32:20 gewann der RSC Osnabrück jede Saisonpartie gegen Rahden, wobei diese sich stark verbessert zeigten, der RSC Osnabrück aber auch nicht an seine Spitzenleistungen anknüpfte. Die Crew war sowohl zahlen- als auch stimmmäßig nicht zu ignorieren und in einer aufgepeitschten Atmosphäre wurde das Team aus Melle erwartet. Im Vorfeld des Spiels wurde mit einer unübersehbaren Tapete auf einen Naziaufmarsch in Münster aufmerksam gemacht. Da sich das Erscheinen dieses Spieltagberichtes etwas verzögert hat, lässt sich bereits festhalten, dass dieser Naziaufmarsch leider nicht verhindert werden konnte. Unterstützt von den Kamerad_innen der Polizei (Wortwahl im Naziticker) konnten die Neonazis nahezu unbedrängt durch Münsters Norden laufen. Protest wurde von den Bullen durch massive Eingriffe in das Bewegungsrecht und Knüppelorgien im Keim erstickt. Unsere Solidarität gilt in solchen Momenten nicht nur dem RSC Osnabrück, sondern all jenen Opfern dieses Repressionsapparates.

03.03. - Naziaufmarsch in Münster verhindern

So einseitig sich der Aufmarsch in Münster präsentierte, so einseitig war die Partie gegen Melle keineswegs. Die Erwartungen an den Spieltag sollten zwar erfüllt werden (Sieg gegen Rahden, Niederlage gegen Melle), aber der RSC Osnabrück wollte so gar nicht klein beigeben. Mit einem Spielstand von 17:23 für Melle ging es in die Halbzeit und es wurden noch einmal sämtliche Kräfte für Halbzeit zwei mobilisiert. Sowohl auf dem Platz, als auch auf der Tribüne. Schlussendlich hat es leider nicht mehr gereicht und Melle verlies den Platz mit einem Endergebnis von 35:48 als Sieger. Durch die gezeigte Leistung stand für die Riot Shocker Crew ihr Gewinnerteam ebenfalls fest. Großartiges Spiel des Teams und die aufkeimende Hoffnung auf einen Sieg gegen Melle am letzten Spieltag fühlte sich richtig gut an. Bevor wir Rahden verließen vereinnahmten wir noch den Rahdener Nachwuchs für uns. Ganz im Sinne von „eure Kinder werden so wie wir“ durften dann auch mal hübsche Fahnen in Rahden geschwenkt werden.

Riot Kids

Der 31. März und damit der Termin des letzten Spieltages war auch in politischer Hinsicht ein interessanter Tag. Als politische Gruppe war somit bereits im Vorfeld klar, dass viele der Riot Shocker Crew diesen Spieltag nicht in der Halle wahrnehmen können. Während der Vorbereitungen schwankte so nicht nur die Motivation, sondern auch die Teilnehmerzahl beträchtlich. Das Vorbereitungstreffen lief einmal mehr komplett aus dem Ruder doch konnte tatsächlich als Planungsplattform genutzt werden. Morgens trafen sich dann von den zwischenzeitig erwarteten zwei Reisenden ganze sechs und es wurde sich auf die Autos verteilt, welche uns nach Melle bringen sollten. Am Austragungsort einer weiteren Rollstuhlbasketballauseinandersetzung mit Teilnahme unseres RSC Osnabrück kamen wir trotz erheblichen Aufbruchsschwierigkeiten rechtzeitig an und betraten die Halle über den Seiteneingang. Bierschmuggeln bei Profis. Der Hinweis, dass Bier in der Halle nicht zu verzehren erlaubt sei, konnte trotzdem nicht umgangen werden und so hatten wir beim anschließenden Verzehr auf der Tribüne alle ein ganz schön schlechtes Gewissen.

Vorbereitungstreffen Melle

Während sämtliche Fahnen an den verschiedensten Stellen angebracht wurden, zerriss ein Stück der „Sektion Münster“ Fahne. Mittlerweile riecht also die „Sektion Sufftras“ Fahne nach eben solchen und auch die „Sektion Münster“ Fahne präsentiert durch ihr Aussehen eben jene adäquat. Vor dem Spiel wurden dann zwei Tapeten präsentiert. M31 war der erwähnte politische Termin in Frankfurt durch den einige der Riot Shocker Crew an diesem Spieltag verhindert waren. Bei M31 sollte gegen den Kapitalismus demonstriert und die Wut über die herrschenden Verhältnisse zum Ausdruck gebracht werden. Bei jeder Revolution bedarf es ja eines gewissen Startmomentes und M31 als einen solchen zu begreifen liegt an uns.

M31: Revolution in Frankfurt! RSC: Revolution im Herzen!

Beim letzten Aufeinandertreffen mit Melle zeigte sich der RSC Osnabrück beinahe ebenbürtig und so wurde mit Spannung das Spiel erwartet. Leider war Melle gut drauf, wobei der RSC Osnabrück durch Abspielfehler im Spielaufbau Melle auch immer wieder zu Chancen kommen ließ, so dass es bereits zur Halbzeit 38:18 für Melle stand. Die Riot Shocker Crew nahm das gelassen und feierte weiter den RSC Osnabrück, welcher am Ende verdient mit 71:39 verlor. Als letzter Kontrahent des RSC Osnabrück in dieser Saison sollte dann einmal mehr das Team aus Nordhorn warten. Hier waren im Laufe der Saison die spannendsten Spiele entstanden. War Rahden einfach zu schwach, konnte kein Team an Melle heranragen. Ohne eigene Bundesligaspieler_innen ist das aber auch nicht zu erwarten gewesen. Einzig Nordhorn war auf einer Augenhöhe mit dem RSC Osnabrück. Bei diesem Spiel war alles möglich.

Auf einer weiteren Tapete bezog die Riot Shocker Crew noch einmal Stellung zu aktuellen politischen Ereignissen. Am 02. Juni ruft die „Initiative Zukunft statt Überfremdung“ zum „4. Tag der deutschen Zukunft“ in Hamburg auf. Hier will sich dann das Nazipack mit ihrer Ideologie gegen den kulturellen Austausch Verhör verschaffen, was verhindert werden muss. Diese Positionen sind bei einem Zusammenleben nicht haltbar und das muss jedem Nazi klar gemacht werden.

02.06. TDDZ - Nazis die Zukunft nehmen

Nordhorn gefiel in der Vergangenheit vor allem durch deren Interpretation von Support. Im Gegensatz zu den Unterstützer_innen jedes anderen gegnerischen Teams versuchen die Nordhorner_innen ihr Team auch lautstark zu unterstützen. Nun mag es an der Anzahl der Riot Shocker Crew gelegen haben, oder vielleicht doch an der Ausdauer der eingesetzten Tröten und Kinder, doch Nordhorn war in der Halle ein ums andere Mal zu hören. Die Riot Shocker Crew bedient sich bei Freiwürfen des gegnerischen Teams eines Störelementes indem versucht wird, Unruhe von der Tribüne aus zu verursachen. Nordhorn kopiert dieses Element, begleitet es mit Tröten und begrenzt es nicht auf die Freiwürfe. Aber naja, nicht jeder kann in frühen Jahren in einen Topf Melodie gefallen sein, wie das für die Riot Shocker Crew zutrifft. Auf dem Spielfeld zeigte sich ein, durch die Stimmung auf den Tribünen, aufgeheiztes Spiel und zur Halbzeit konnte der Einsatz förmlich gerochen werden. Der Schweiß wurde weggewischt und es wurde sich auf Halbzeit zwei eingeschworen, in welcher durch den Halbzeitstand von 21:15 für Nordhorn immer noch alles möglich war.

Leider reichten auch diesmal am Ende die Kräfte des RSC Osnabrück nicht mehr aus und so wurde die Saison mit einer 41:28 Niederlage beendet. Der Riot Shocker Crew war das egal. Sie feierte das Team auch noch nach dem Abpfiff und gab sogar neue, spontan erdachte Gesänge zu Gehör.

„Danke, für diese schöne Saison
Danke, für jedes einzelne Spiel
Danke, dass wir hier singen durften
Und für das Gefühl“

Es wurde sich allerdings relativ schnell wieder auf eine Welle für das Team verständigt. Die bekommt auch der härteste Sufftra hin und nach Beseitigung unseres Supportexzesses wurde die Rückfahrt angetreten. Wieder sind wir am Ende einer Saison angelangt und durften viele verschiedene Erfahrungen sammeln und weitergeben.
Hier und heute steht es in Stein geschrieben: Eine Sauna ist auch keine Lösung. Sweet Sweat RSC!

Wie geht es weiter? Am Rande des letzten Spieltages wurden wir informiert, dass das dritte Team des RSC Osnabrück zur nächsten Saison nicht gemeldet wird. Das zweite Team verbleibt vermutlich in der Oberliga und wir lernen neue Spielstätten und andere Fans kennen. Für die Zwischenzeit haben wir uns viel vorgenommen und gegebenenfalls können wir sogar irgendwas davon umsetzen. Die Neuigkeiten gibt es dann wie immer hier auf dem Blog. Guckt regelmäßig vorbei, oder abonniert den RSS-Feed. Noch besser ist natürlich, wenn ihr selbst mit uns in Kontakt tretet und bestimmt können wir dann einige Vorhaben besser umsetzen. Support your local Rollstuhlbasketball!

Don't call it Banksy