Archiv für Februar 2013

Die Riot Shocker Crew sang nicht mehr

Der vergangene Heimspieltag am 20.01.2013 stand für die Riot Shocker Crew nicht nur im Zeichen des Sports, sondern erneut im Zeichen der Zensur durch den Vorstand, bzw. Vorstandsmitglieder.
Wir erinnern uns daran, dass vor etwas mehr als einem Jahr der Vorstand des RSC Osnabrück mit der Forderung an die Riot Shocker Crew herangetreten war, das Verteilen der Hallenzecke, unserem Fanzine, zu unterlassen. Der Hauptkritikpunkt war seinerzeit die politische Komponente in der Hallenzecke, denn der RSC Osnabrück als Verein müsse satzungsgetreu politische Aussagen unterlassen.
Damals reagierten wir in einem offenen Brief auf diese Forderung des Vorstands des RSC Osnabrück, in welchem wir daran erinnerten, dass Politik sich nicht aus bestimmten Lebensbereichen verbannen lassen würde, sowie die Aufmachung und die generellen Inhalte der Hallenzecke wohl keinerlei Zweifel lassen würden, dass es sich hierbei um eine Publikation der Riot Shocker Crew und damit nicht dem Verein RSC Osnabrück handelt. Der offene Brief lässt sich unter anderem hier nachlesen. Darauf passierte dann erst einmal länger nichts und wir verteilten zur Freude von einigen Anwesenden (zumindest lässt uns das Feedback das vermuten) weiterhin zu den Heimspielen die Hallenzecke.
Im Rahmen des letzten Heimspiels wurde diese Thematik dann wieder aktuell und wir sahen uns genötigt, einen Redebeitrag zu verfassen, welcher ursprünglich vor dem ersten Spiel abgespielt werden sollte. Soweit ist es nicht gekommen, da wir die gereizte Stimmung nicht weiter aufkochen wollten. Die vielen Rückfragen am Spieltag brachten uns allerdings in Erklärungsnot und somit haben wir uns entschlossen, den Redebeitrag vertont und in schriftlicher Form hier zu veröffentlichen.

Anmerkungen und Fragen sind erwünscht! Lasst uns Legenden bilden!


Die Riot Shocker Crew singt nicht mehr.

Hallo liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, Spielerinnen und Spieler, Freundinnen und Freunde. Hallo an all diejenigen, die heute hier sind und sich für den Rollstuhlbasketball begeistern. Wir teilen die gleiche Leidenschaft!

Hallo Vorstand!

Vielleicht hat es ja schon jemand bemerkt, aber hier ist einiges anders als an den vergangenen Spieltagen. Überall wird Mensch hier mit diesem gewissen Thema konfrontiert, es folgt dieser Text und zu guter Letzt gibt es keine Hallenzecke, unsere Zeitung, die doch sonst kostenlos verteilt wurde. Warum dies so ist werden wir euch im Folgenden darlegen und freuen uns über eure Aufmerksamkeit.

Die Riot Shocker Crew, also uns, gibt es nun mittlerweile seit etwa zwei Jahren. Fast ebenso lange betreiben wir unsere Internetseite und veröffentlichen Texte in der Hallenzecke, die bislang bei Heimspielen des RSC Osnabrück allen Interessierten an die Hand gegeben wurde. In der Hallenzecke widmen wir uns unserer Leidenschaft rund um den RSC Osnabrück, den Rollstuhlbasketball und sonstige uns bewegende Thematiken. Diese können auch politisch sein, da wir für uns selbst einen politischen Anspruch haben und darüber hinaus eine Meinung, die sich sicherlich immer weiter entwickelt, es aber auch verdient, kundgetan zu werden.

Vor etwa einem Jahr erhielten wir eine E-Mail vom Vorstand des RSC Osnabrück, in welcher dieser uns untersagte, die Hallenzecke ohne vorige Durchsicht durch den Vorstand zu verteilen. Es dürfen keine Schriften ohne Zustimmung verteilt werden und des Weiteren gehe es bei Spielen des RSC Osnabrück nicht um Politik, sondern rein um Sport. Wie also eine Zustimmung für die Hallenzecke bei genanntem Themenrepertoire ausgesehen hätte ist nur naheliegend.

Wir hatten bereits in einem offenen Brief an den Vereinsvorstand erklärt, dass wir es nicht für möglich halten uns unpolitisch zu bewegen, da Politik in jedem Lebensbereich, eben auch in den Sport, einfließt und sich die Auswirkungen der großen und kleinen Politik bis in die Halle und in das Privatleben aller Anwesenden erstrecken. Eine dermaßen verkürzte Aussage „Politik muss draußen bleiben“ konnte so niemals unsere allgemeine Zustimmung finden.

Für die darauf folgenden Heimspiele investierten wir somit erneut viel Zeit und Herzblut um eine Hallenzecke zu erstellen, die sich ebenso weiter entwickelte wie wir und so auch im Verlauf der Zeit noch unseren gehobenen Ansprüchen an uns selbst gerecht werden konnte. Einhergehend mit den sonstigen Aktivitäten der Riot Shocker Crew ist es nicht zuletzt die Hallenzecke gewesen, welche unseren Bekanntheitsgrad weit über Osnabrück hinaus steigen ließ und damit vor allem den Rollstuhlbasketball, sowie den RSC Osnabrück für viele Personen interessanter machte. Auch sahen wir natürlich davon ab, die Hallenzecke vorher durchschauen zu lassen und verteilten sie weiter, da unsere Meinung und Ausrichtung losgelöst vom Verein betrachtet werden muss.

Neben einigem positiven Feedback für die Hallenzecke erhielten wir nun Anfang dieser Woche eine weitere E-Mail des Vorstandes, in welcher ein weiteres Mal die Notwendigkeit einer vorigen Genehmigung von Schriften erwähnt wurde und auch die Politik ein weiteres Mal als unzulässiges Mittel an Spieltagen gebrandmarkt wurde. Da allerdings auch dem Vorstand nicht entgangen zu sein scheint, dass wir die Hallenzecke trotz des oben beschriebenen E-Mailverkehrs weiter verteilt hatten, ging der Vorstand in dieser E-Mail nun soweit uns beim Nichtbefolgen der angeordneten Verhaltensweisen androht, vom Hausrecht Gebrauch zu machen.

Aus diesem Grund erfolgt also das Vorlesen dieses Textes, denn auch wenn wir uns zu diesem Schritt gezwungen sehen, wollen wir natürlich diesem Spieltag komplett beiwohnen und wollen es nicht riskieren, wegen verteilter Schriften der Halle verwiesen zu werden. Es mag nun befremdlich erscheinen, dass dieser Konflikt so eskalieren muss, deswegen einige weitere erklärenden Worte von uns.


Politik

Wie bereits erwähnt findet Politik in jedem Lebensbereich statt. Hiervor die Augen zu verschließen ist schlicht naiv. Das Äußern von Politik ist darüber hinaus nichts mehr als das Äußern einer Meinung. Dass das nicht für rechtsextreme Standpunkte gilt, ist wohl selbstverständlich. Eine Ideologie die auf die Vernichtung von allem aus ist, was nicht ihrem Idealbild entspricht ist in keiner Weise gesellschaftsfähig. Gerade beim Rollstuhlbasketball, bzw. beim generellen Sport für behinderte Menschen sollten wir doch erwarten können, dass die Wahrnehmung für das menschliche Umfeld schärfer ist, als in vielen anderen Bereichen. Schließlich haben auch hier Menschen Kämpfe auszurichten, die sich viele von uns nicht einmal wirklich ausmalen können. Wie oft scheitert schon der Besuch einer bestimmten Lokalität an den baulichen Begebenheiten. Wir fragen uns, warum wir uns darauf beschränken sollten, auch wenn alleine dieses Thema wesentlich mehr Engagement jeder Person verdient. Warum sollen wir uns nicht mit den Flüchtlingen im Abschiebelager Bramsche-Hesepe beschäftigen? Menschen die mit der Angst leben müssen, lediglich geduldet zu sein und die im Falle einer Abschiebung in Szenerien geraten können, gegen die sogar der Lageralltag human wirken kann. Wir fragen uns, warum wir nicht über die Gegenproteste zu einem Neonaziaufmarsch berichten dürfen. Warum sollte es nicht möglich sein, Erfolge gegen das offensive Auftreten von Nazis auch als solche zu feiern? Hier profitieren wir doch alle von. Wir fragen uns, warum wir nicht die schwulenfeindlichen Aussagen eines kirchlichen Vertreters als homophob öffentlich machen dürfen. Warum sollen wir nicht unsere homosexuellen Freundinnen und Freunde vor solchen verbalen Angriffen schützen? Das einzige was zählen darf ist der individuelle Mensch und damit eben auch alle die sich heute hier in der Halle zusammengefunden haben.

Das ist unsere Meinung und das mag Politik sein, aber für uns ist es in erster Linie selbstverständlich. Über Meinungen kann Mensch streiten, aber Meinungen lassen sich niemals verbieten und nur bis zu einem gewissen Grad verschweigen. Wenn der Vorstand nun Politik verbieten möchte, lässt sich das so pauschal überhaupt nicht realisieren. Es wäre sicherlich möglich, explizite Vorfälle anzusprechen und zu diskutieren, denn unsere Kommunikationsbereitschaft haben wir schon an verschiedenen Stellen kundgetan. Doch im Zuge der Verbotsäußerungen des Vorstandes passiert etwas ganz anderes. Hier wird vom Vorstand definiert, was politische Äußerungen sind und genau dadurch wird hier lediglich die Politik des Vorstandes umgesetzt. Ob das konsensfähig oder gar satzungstreu ist, wollen wir lieber nicht beschreien. Fakt ist, dass es eine Riot Shocker Crew ohne Politik nicht geben kann, denn dafür treten viel zu wenige Menschen für drangsalierte, oder durch die Gesellschaft behinderte Menschen ein.


Erlaubnis zum Verteilen der Hallenzecke

Die Riot Shocker Crew ist mittlerweile seit etwa zwei Jahren ständige Begleiterin des RSC Osnabrück und ist als Spieltagsbestandteil durchaus etabliert. Ob wir hierbei beim Fernbleiben vielleicht von einigen vermisst werden würden, wollen wir nicht beurteilen, denn freiwillig wird niemand von uns ein Spiel versäumen. Doch genau durch diese Konstanz sollte es eigentlich möglich sein, sich mit uns zu beschäftigen und uns kennen zu lernen, sofern dies gewünscht ist. Bislang wurde uns bzgl. der Inhalte in der Hallenzecke oder sonstiger Schriftstücke keine konkrete Kritik entgegen gebracht. Beim Betrachten der Reaktion des Vorstandes stimmt uns das traurig, denn nur dann hätten wir die Möglichkeit, gewisse Dinge zu ändern und zu verbessern. Wir sehen die Erlaubnis zum Verteilen unserer Schriften dementsprechend. Es sollte ohne weiteres möglich sein, uns als Autorinnen und Autoren und vom RSC Osnabrück e.V. unabhängigen Zusammenschluss mit eigener Meinung zu identifizieren. Dass der RSC Osnabrück in der Goetheringhalle Hausrecht hat und damit über die gewünschten Verhaltensformen während seiner Veranstaltungen bestimmen darf, ist richtig. Zu entscheiden ob eine Gruppe über ihre Tätigkeiten berichten darf, die sich jetzt schon seit Jahren mit steigender Begeisterung für den Verein und ein Team des Rollstuhlbasketballs einsetzt, sollte nach unserer Meinung aber nicht dem Vorstand des Vereins obliegen. Das wird dem Charakter einer öffentlichen Sportveranstaltung einfach nicht gerecht.


Der Sport

Während der Auseinandersetzung rund um die Hallenzecke klingt zwischen den Zeilen immer wieder durch, dass wir den Sport als unsere politische Bühne missbrauchen würden und im Umkehrschluss kein tatsächliches Interesse am Sport hätten. Gerade vom Vorstand des Vereins, den wir nun schon so lange begleiten, hätten wir uns hier eine differenziertere Wahrnehmung gewünscht. Es vergehen so viele Stunden zwischen den Spieltagen, in denen die Riot Shocker Crew nur auf den nächsten Spieltag hin arbeitet um dem Team des RSC Osnabrück schlussendlich den größtmöglichen Support zu bieten. Es ist schon beinahe Hohn, den Vorwurf der politischen Bühne anzuführen. Ohne den Sport wären wir nicht hier und würden nicht unsere Freizeit für ihn opfern, doch ohne Politik wären wir vielleicht nicht bei dieser Sportart. Es bedarf hier dringend einer aufgeschlossenen Herangehensweise, denn solche Konflikte reiben auf. Die Hallenzecke gehört für uns zum Spieltag. Das Schreiben bringt neben Stress eben auch viel Spaß und wir freuen uns, wenn der ein oder die andere die Hallenzecke gerne liest.

Das erneute Verbot des Verteilens wirft uns zurück und tritt unser Engagement mit Füßen. Wir sind verbittert und traurig. In diesem Kontext ist es für uns nicht möglich, am normalen Ablauf eines Spieltages festzuhalten und deswegen hat sich die Riot Shocker Crew entschlossen, während der ersten Halbzeit des Spiels gegen Rahden den RSC nicht zu unterstützen. Dieser Schritt fällt uns allen schwer, denn wir kommen in die Halle um das Team in allen Lagen zu stützen. Das Unterlassen der Unterstützung darf aber nicht als Kritik am Team missverstanden werden. Wir wollen hiermit unserem Unmut über die fehlende Kommunikationsbereitschaft des Vorstandes, sowie unserer fehlenden Inspiration auf Grund dieses Einschnittes in unseren Freiraum Ausdruck verleihen.

Im Endeffekt hoffen wir auf eure Unterstützung! Zeigt, dass ihr die Hallenzecke wollt, wie sie ist. Sprecht uns an und ihr erhaltet euer Exemplar, welches diesmal einen Spieltagsbericht vom letzten Heimspiel, die Erklärung unserer Tapeten, ein Interview mit einem Fanmagazin des Fußballvereins FC St. Pauli, den Bericht über ein Blindenfussballturnier in Hamburg, eine Rezension des Filmes „Ziemlich beste Freunde“ und einiges anderes enthält. Macht euch euer Bild von unseren Schriften und konfrontiert uns mit eurer Meinung.

In diesem Sinne hoffen wir, dass wir nach der ersten Halbzeit in ein stimmungsvolles letztes Saisonheimspiel starten können.
Diesen RSC gibt es nur gemeinsam!

Riot Shocker Crew