Archiv für April 2013

Scheiß Bad Honnef – „Ich hab noch nie eine Kurstadt beleidigt!“

(aa) Es war soweit. Fünf Menschen der Riot Shocker Crew machten sich auf den Weg nach Bonn. „Nach Bonn?“, wird sich manche_r vielleicht fragen, ja nach Bonn. Nicht zu einem Spiel des RSC, noch nicht einmal zum Rollstuhlbasketball. Dieses Mal sollte es zu dieser gewissen Sportart namens „Fußball“ gehen und zwar zum Bonner SC. Klingt auf den ersten Blick recht langweilig und spießig, haben wir uns auch gedacht. Doch der Mensch der uns kontaktierte machte die Sache für uns zunehmend interessanter. Bonnanza (BNZA), die Fangruppierung dieses kleinen Landesligavereins, gibt es nun seit 2009. Aufmerksam auf uns wurde der Mensch durch das St. Pauli Heftchen „Zeckenbiss“ der Fangruppierung SPM, in der vor ca. einem Jahr ein Interview von uns zu finden war. (In der gleichen Ausgabe war ebenfalls ein Interview der Bonnanza zu lesen) Nach kargem bis intensivem Wortwechsel machten wir uns mit Penntüte und Bier am Samstag auf in Richtung ehemalige Bundeshauptstadt, um am Sonntag das Derby zwischen Bad Honnef und Bonner SC zu sehen. Mit einigen wenigen Infos aus dem Internet wusste wohl keine_r so genau, was uns dort erwarten sollte, außer das wir bei einem für uns unbekannten Menschen nächtigen dürften.
Die Hinfahrt fing auf jeden Fall in dem üblichen Sufftra-Stil an und zog sich komplett durch die beiden Tage. Das Fahrer_innen-Navigatorenteam hatte so seine zahlreichen Kommunikationsprobleme und Pausen konnten aufgrund von brennenden Tankstellen auch nicht regelmäßig eingelegt werden. Die gute alte Trash-Mucke tat der Stimmung aber ihr bestes, sodass auf der Hinfahrt schon ordentlich „getankt“ wurde. So konnte das weitergehen! Irgendwann gegen Mitternacht beim vereinbarten Grenzwert angekommen brach erst einmal ein Begrüßungsinferno aus. Wie das nun mal immer so ist, wenn man sich mit unbekannten Menschen verabredet. Im Limes, der Stammkneipe von BNZA, wurde das Kennenlernen dann erst mal feuchtfröhlich begossen und fix einzelne Tauschbörsen eröffnet. Ja wenn „Messis“ aufeinander treffen. Die Sektion Rauchen-ist-leider-nicht-überall-so-gerne-gesehen verschwand vor die Tür, während die anderen sich weiter mit den Menschen von BNZA vertraut machten. Nach 5-8 sportlichen Zigaretten und ein paar Kannen Bier wollten zwei Shocker_innen noch eben kurz ihr Nicht-Können am Kickertisch beweisen. Die spielstarken Gegner_innen, welche anfangs aufgrund unserer Schwäche ein paar Spielchen mit uns spielen wollten, wurden nach den ersten beiden Toren für unsere Seite zunehmend nervös, da die Verwirrungstaktik der Shocker_innen aufzugehen schien. „Verwirren wir die oder verwirren die uns?“ – Mein Lieblingsspruch des Abends. Vielen Dank für diese nette Partie an Pauli-Fan und Freund_in.

Nachdem sich die anderen Shocker_innen mit den Menschen von BNZA unterhielten und sich nicht die ganze Zeit zum rauchen und kickern aus dem Staub machten, waren die paar Stunden ruckzuck um. Schade eigentlich, der Durst wäre wohl noch größer gewesen. Wie sind wir eigentlich zum Pennplatz gekommen? Ich weiß es nicht mehr. Das erste Bild was mir jedoch direkt wieder in den Kopf schießt, ist ein Känguru-Bildchen im Hauseingang. (Diese Känguru-Hasen-Debatte lässt sich leider hier nicht so schnell erklären, wenn ihr aber interessiert seid warum Kängurus eher nicht so unser Ding sind, hört doch mal ein bisschen in die Band Grenzwert (Ska Punk-Combo aus Osnabrück) rein.) Zweites Zitat des Tages unseres netten Gastgebers:“ Nein mein Vater mag Kängurus, ich steh eher auf Otter!“ Welch grandiose direkte und selbstverständliche Antwort! Nun denn: Kurz dann also noch ein Gute-Nacht-Bier getrunken, eine geraucht, überzeugt das unser Gastgeber wirklich auf Otter abfährt, ab in unser gemütliches (T) Fünfer-Kabuff und erst mal ne Runde gepennt. Drei oder vier Stunden später aufgestanden, bisschen Koffein gefrühstückt und ab zum Fußball. Fetten Dank an dieser Stelle nochmal an unseren sehr zuvorkommenden Gastgeber!
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Der Treffpunkt für das Spiel war direkt am Rhein, jetzt kommt nämlich das Abgefahrene des Spielbesuchs. Die Hin- und Rückfahrt sollte mit einem Schiff zurück gelegt werden. Hab ja schon vieles gehört und miterlebt, aber ein Auswärtsspiel mal eben kurz mit einem Schiff anzufahren hat schon Stil. Dj Mark de Shark sollte für die musikalische Untermalung sorgen. Über Musikgeschmack lässt sich bekanntlich streiten, ob Geschmack jedoch der richtige Begriff für diese auditive Körperverletzung ist, mag diskussionswürdig erscheinen! Eine Mischung aus typischen deutschen Fußballhymnen und Schlagern, da kann mensch sich auch vorstellen wie so die anderen Fans neben der Bonnanza einzusortieren sind. Aber so was bleibt wohl leider bei keinem Fußballverein aus. Umso wichtiger scheint es, dass Bonnanza dort versucht anderen Wind reinzubringen. Um diesen lästigen Geräuschpegel, was manche wirklich die Kreation eines DJ nennen, zu entfliehen, versammelten sich die meisten Menschen, die dies ebenso empfanden, am Deck des Schiffes. Da keine_r von uns zuvor ein Landesligaspiel besucht hatte, waren wir doch recht verwundert in was der deutsche Staat mal wieder Energie r(h)einballert. „Molotov, Molotov, komm wirf ein Molotov. Molotov, bamm bada bamm bamm bamm BAAAAM!“ Ja der Schluss ist überragend lieber Rauchgenosse.
Nach ca. 90 minütiger Schiffsfahrt angekommen, bot sich ein ähnlich Bild. Mit Kamerawagen voraus, um den gefährlichen 150er Mob im Zaun zu halten, zeigte uns die ausführende Staatsgewalt wo wir lang zu gehen hatten. Manchen Fans des Bonner SC wurde in diesem Gedränge so heiß, dass sie sich ihrer Kleidung entledigten um der Hitzewallung bei Minus 2º zu entgehen. Ich muss aufhören über so was zu schreiben, aber der Typ wird mir sehr lange nicht mehr aus dem Kopf gehen! Angekommen am Stadion Eintritt bezahlen. Was soll mensch zu folgendem Bild noch sagen:
frauen
Ein fettes „Aaalte_r?!“ oder „Wie bitte?“ Nun ja, bei dem Versuch als gesellschaftlich männlich definierter Mensch nur zwei Euro zu bezahlen, um die Lächerlichkeit aufzuzeigen, wurde dann ein Ausweis verlangt. Scheiß Sexismus!
Kurz durch die Kontrollen, ab auf die Tribüne. Schöne Kulisse war es irgendwie schon: Eine ca. 500er Tribüne, beide Fangruppierungen durch Sitzplätze „getrennt“, Ausblick auf eine Bergkette, Bierstand nur drei Meter weiter die Treppe runter.
Am Anfang vom Spiel gab es eine kleine Kassenrollen- und Luftballon-Choreo seitens BNZA. Die paar Ottos von Bad Honnef hielten eine Siloplane hoch, die aber auch schnell wieder unten war. Mit Siloplane überm Kopf kann man halt leider nicht so gut rüber pöbeln. Stimmung von BNZA fand ich echt angenehm und unsere Gesänge wurden auch spontan mit in das Repertoire aufgenommen. Fettes Lob auch hier an den Menschen mit der Trommel, der durch Taktgefühl und Variationen zum mitmachen motivierte. Drei Tore und sechs Bier weiter war das Spiel dann vorbei. Endstand: 0:3 für den Bonner SC.
kurve
Die Mannschaft bedankte sich mit einer Tapete bei den Fans, womit sie es dann auch hätten belassen sollen. Aber nein, ein Landesligaverein ist anscheinend kein Landesligaverein wenn sie mit ihren Fans danach nicht noch ein ordentliches HUMBA singen. Nach WM und dieser ganzen nationalistischen Kackscheiße ist das Lied einfach über. Wenn mensch sich dann die 10-Punkte-Fahne der anderen Bonner Fans anschaut verwundert es einen dann aber doch nicht so arg. Auf der anderen Seite wären sie aber sicherlich die ersten wenn es heißt: „Politik raus aus den Stadien!“
danke
Über die Rückfahrt gibt es nicht so viel zu erzählen, genauso viel wie Bad Honnef in ihrem Vereinshefftchen zu berichten weiß. 60-seitiges Pamphlet mit 50-seitiger Vorstellung lokaler Unternehmen und 10-seitigem Abdruck von Tabellen und Vereinskader. Selten so ein hübsch aufbereitetes Werbeheftchen gelesen.
Angekommen in Bonn wurde sich noch einmal herzlich verabschiedet und auf ein baldiges Wiedersehen gepocht.

Vielen Dank BNZA für alles, wir sehen uns garantiert wieder!
Forza RSC & BSC!

Den ausführlicheren Bericht übers Spiel von BNZA: bonnanza.net

Hier zwitschert die Crew

(sp) Was kann es besseres für eine/n Cronistin/en geben, als eine Quelle zitieren zu können, die direkt am Geschehen, von welchem berichtet werden soll, dran war und dies auch noch fein säuberlich dokumentiert hat. So geschehen bei unserem zweiten Versuch eine ruhmreiche Fußballer_innenkariere zu starten. Am 23.03.2013 organisierte die „Initiative gegen (rechte) Hooliganstrukturen“ die zweite Auflage des antirassistischen Fußballturniers „Keine Eintracht mit Nazis“ und da wir die körperliche Belastung bereits vom Stand-Up! Cup in Düsseldorf aus dem Vorjahr kannten, meldeten wir uns bereitwillig an.

Kerze

Spätestens ab da nahm alles wieder den crewtypischen Verlauf. Die Shocker_innen, die plötzlich kalte Füße auf Grund der von ihnen erwarteten sportlichen Leistung bekamen, legten spontan ihre Arbeitsschichten auf den besagten Samstag, buchten Flüge ins weit entfernte Ausland, oder verblieben unauffindbar in ihren eigenen vier Wänden. Während wir uns so zwischenzeitig wieder einmal Sorgen um die Zusammensetzung des Teams machen mussten, deutete sich zum Ende der Woche an, dass wir tatsächlich ein Team stellen können würden und der Treffpunkt wurde auf 07:00 Uhr am Hauptbahnhof festgelegt. Freilich entstanden die Trikots erst in der Nacht vor dem Turnier und die endgültige Teamzusammensetzung sollte auf Grund von Krankheitsfällen auch erst am Spieltag selbst bekannt werden.

An eben jenem Samstag schaffte es ein Teil der Crew auch tatsächlich um 07:00 Uhr zum Bahnhof, während andere die Wärme des Bettes und die Distanz zur körperlichen Anstrengung bevorzugten. Welch ein Glück, dass neben der Sektion „Zugfahren“ noch eine Sektion „Auto“ zum Turnier nach Braunschweig fahren sollte und so alle Spieler_innen am Morgen des verheißungsvollen Samstags eingesammelt werden konnten. Ab diesem Zeitpunkt begann die mentale Vorbereitung auf die Spiele. Hatten wir in Düsseldorf den letzten Platz auf Grund eines eigenen Tors knapp verfehlt (besseres Torverhältnis: Vorletzter Platz), wollten wir diesmal von vornherein mit einem realistischen Ziel antreten. Das Motto des Tages wurde somit: Um den letzten Platz mitspielen und mindestens ein Tor erzielen. Wenn mensch bedenkt, dass die Spielfelder in der Halle kleiner sind als draußen, sollte letzteres Ziel eine Leichtigkeit darstellen. So zumindest sprachen die Sufftras und genehmigten sich ihr Aufbruchbier und ähnliches („Ich kaufe ein f“). Beim Geruch des Bieres wurden schlagartig alle Sinne der noch verschlafenen Körper geweckt und auch unser Crewvogel zwitscherte sich langsam ein. Genießt also nun die Erzählungen unserer abermals erfolgreichen Teilnahme an einem Fußballturnier, bei welchem die Twitternachrichten des Crewaccounts den grün-weißen Faden bilden werden:

Durch die Fähigkeit einiger Crewmitglieder Wecker zu ignorieren, waren wir relativ spät dran, war doch geplant gewesen, um 09:30 Uhr in Braunschweig an der Halle zu sein, damit unser Auto die Sektion „Zugfahren“ vom Hauptbahnhof abholen könne. Nun bewegt sich die Crew allerdings selten ohne Sufftras und so war schon vorprogrammiert, dass es wohl kaum ohne Pausen bis nach Braunschweig gehen würde. Während bei der ersten Pause zum Pinkeln und Bierauffüllen das Verständnis des Fahrers noch minimal vorhanden war, sollte es im Verlauf der Hinfahrt auf ein Minimum sinken. Der Konflikt wurde hierbei allerdings förmlich von den Sufftras angeheizt, die den Fahrer nicht einmal seine Lieblings-„Pur“-Lieder genießen ließen, sondern parallel dazu andere „Pur“-Lieder sangen um ihren Unwillen bezüglich der Musikauswahl kundzutun. Dass der Fahrer anschließend nicht mehr für diese Kulturbanausen an der Tankstelle halten wollte, ist damit wohl nachzuvollziehen. Das diese Trinkkulturexperten sich allerdings nicht beruhigen würden, bis sie denn ihren Willen bzw. ihr Bier erhielten, ist ebenso nachvollziehbar. So gestaltete sich die Autohinfahrt beinahe ohne Zwischenfälle, bis auf zwei Stopps bis Braunschweig.

Im Gegensatz dazu bewegte sich die Sektion „Zugfahren“. Ruhig und gesittet hatten die Mitfahrer_innen den Zug um kurz nach 07:00 Uhr in Osnabrück bestiegen und sollten etwa um 09:40 Uhr in Braunschweig ankommen. Während im Auto wahre Gefechte mit Worten und leeren Bierdosen gefochten wurden, ob denn nun noch eine Pause möglich wäre, oder ob die Sektion Zugfahren sonst in der Kälte auf uns warten müsse, erreichte letztere Hannover und damit ihren vorläufigen Reiseendpunkt.

Durch diese Nachricht stieg die Anspannung bei den Mitfahrer_innen des Autos, würde das doch heißen, dass jede_r durchgehend spielen müsse, da jedes Team aus vier Feldspieler_innen und einem Menschen im Tor bestehen würde. Diese Anspannung, wir reden hier schließlich von Sufftras, drückte sofort auf die volle Blase der Autoinsass_innen und jede rote Ampel wurde mit Wimmern kommentiert. Je näher die Halle kam umso größer wurde die Anspannung und so wurde das Auto tatsächlich noch zu einem Halt gezwungen. Fünf Meter vor dem Zielpunkt…

Zum Glück der Crew blieb die Sektion „Zugfahren“ in Hannover nicht untätig und erstritt sich mit einer Mischung aus Hundeaugen und knallharten Drohungen („Dann bleiben wir eben in Hannover“) die Fortsetzung ihrer Reise in einem ICE.

Währenddessen erkundeten die Personen die bereits in Braunschweig vor Ort waren die Halle und machten sich mit der Umgebung vertraut.

Wir verdösten also etwas Zeit und konsumierten dabei das eine oder andere Bier. Zwischenzeitig stießen die Nachzügler_innen der Zugverbindung zu uns und die Crew war endlich vollzählig angekommen. Vollzählig zumindest, wenn mensch die Personen nicht berücksichtigt, die aus Angst vor dem Turnier geflohen waren. Gerade diese Personen meldeten sich jetzt wieder um ihre Unterstützung für die sportlich geknechteten Shocker_innen auszudrücken… Schönen Dank ihr Lappen!

Wir verzichteten auf ein gezieltes Aufwärmen und taktische Vorgespräche, schließlich trauten wir unserm Trainer zu, durch laute Anweisungen unser Spiel auch noch während der Durchführung zu organisieren und steuerten mit dem Fortschreiten des Uhrzeigers immer näher auf unser erstes Spiel, ausgerechnet gegen die Gastgeber_innen, zu.

Die Ernüchterung nach dem Spiel wurde versucht mit dem Konsum von Alkohol Einhalt zu gebieten. Zu hoch waren unsere Zielsetzung und der Optimismus der Angereisten, als dass wir nach dem ersten Spiel bereits die Segel gestrichen hätten. Schnell wurde diese Partie als Aufwärmübung abgehakt und die mentale Vorbereitung auf das nächste Spiel wurde gekonnt bei Sportzigaretten und Bier beiseite geschoben.

Der nächste Gegner sorgte allerdings bereits im Vorfeld für Unruhe im Team. Neben einem umständlich auszusprechenden Namen und dem größten Banner (zumindest in der Höhe) in der Halle, hielt sich die Aussage, „Infamous Youth“ wären so was wie das beste Team des Turniers bis zum Anpfiff. Und auch noch danach. Wenn wir so schnell hätten gucken können, wie die gespielt haben, hätten wir im Anschluss vielleicht gewusst, wie dieses Fußball funktioniert. So blieb uns allerdings wieder nur die Erinnerung an die Niederlage durch Konsum diverser bewusstseinserweiternder oder bewusstseinsvernichtender Drogen zu eliminieren.

Auch wenn im nächsten Spiel nicht die „Blutgrätschen“ auf uns warten sollten, sollte es für die Crew ein denkwürdiges Spiel werden. Die Gegner_innen waren die „TeBe Party Army“ und der Name Programm. Sämtliche anwesenden Shocker_innen hatten ihre Erfahrung mit Partys und manch einer der Organisator_innen der Spieltage bei denen wir mit dem RSC auswärts ran mussten hätte uns problemlos unterstellt, dass wir eine Party Army wären. Doch wie dies in Einklang mit Fußball zu bringen sei, davon hatten wir keine Ahnung. Die anderen schon und so versuchten wir weiter, beim Zugucken den Spielverlauf zu verstehen um vielleicht irgendwann mal in Richtung des Gegners Tor zu kommen. Unser Trainer attestierte uns eine gute Leistung und wir ihm einen guten Rauschzustand. Nach dem Spiel torkelte dann unser achter Spieler aus dem aufgebauten Kinosaal wieder in die Halle und wollte wissen, wann wir denn das nächste Mal dran seien. Die Niederlage wirkt weniger hart, wenn mensch beachtet, dass unser bester Spieler die Zeit im Kinosaal verbrachte, doch wir blieben weiter Punkt- und Torlos. Vier Partien verblieben noch.

Beim Pausenbierchen überlegten wir, welche Maßnahmen wir, außer Fußballspielen, noch nicht ergriffen hätten. Es wurden daraufhin diverse Aberglaubenoptionen durchgespielt. Die eine trank vor jedem Spiel eine Flasche Bier auf Ex, der nächste betrat den Platz nur noch rückwärts. Zudem wechselte unser Team die Seite und spielte das erste Mal auf das gegenüberliegende Tor. Im vierten Spiel sollten wir gegen die „DGB-Jugend“ antreten. Vom Aussehen her gaben sich beide Teams nichts. Beide traten in schwarzen Shirts an, das Crew-Team war lediglich durch eine leicht torkelnde Motorik zu identifizieren. Natürlich gingen wir erst einmal mit 0:1 in Rückstand, dann aber torkelte sich „Hase“ auf links außen am Verteidiger vorbei und ließ einen Ball so geschickt von seinem Fuß abrutschen, dass dieser unhaltbar für den Tormenschen der „DGB-Jugend“ im Netz landete. Erst da fiel auf, dass wir uns keine Jubelchoreo überlegt hatten und so gestaltete sich auch das gemeinsame Torfeiern wie das Spielen. Jede_r machte irgendwas anderes, aber zusammen sah es irgendwie gut aus. Durch das Tor war auf einmal Zuversicht in unseren Reihen eingekehrt. Wenn das Tor schon getroffen werden konnte, dann könnten wir auch gewinnen. Im weiteren Spielverlauf nahm sich „Copy“ den Ball und spielte von A nach B, während er von B nach A rannte und… ihr merkt selbst, dass Geschehen war viel zu schön um es angemessen zu beschreiben. 2:1 für die Crew. Der Jubelorkan brachte die „DGB-Jugend“ endgültig zum Wackeln. Bei unserer Spielweise war das Torkeln ein Vorteil, da unsere Bewegungsabläufe schwerer vorherzusehen waren. So auch bei der „DGB-Jugend“, die sich nun irgendwie durch unsere Abwehr wackelte und den glücklichen Ausgleich erzielte. Doch dann folgte die große Stunde des RS“Copy“. Ballannahme, das Tornetz der „DGB-Jugend“ bewegte sich und der Ball war im Tor. Im Freudentaumel gingen einige Erinnerungen an die Entstehung des Tors verloren. „Copy“ erzählte irgendwas von „Seiten-Rück-Volley-Kopfball-Fall-Zieher“, aber wir waren schon alle mit unserem Gedanken bei der rauschenden Siegesfeier. Beim Abpfiff gab es kein Halten mehr. Die Riot Shocker Crew hatte ihr erstes Fußballspiel gewonnen.

Um den Sieg nun gebührend feiern zu können legten die Organisator_innen des Turniers eine Vortragspause ein, die die Crew nutzte um dem üblichen Konsum zu frönen, so wie sich an dem hervorragenden Vyros (Vegane Seitantasche) zu bedienen. Nebenbei wurde dem Vortrag der Anti-Diskriminierungs-AG vom SV Werder Bremen gelauscht und wieder einmal stellte sich heraus, wie wichtig Anti-Diskriminierungsarbeit in öffentlichen Gremien ist, denn politisch wird überall agiert und sich hier deutlich von Rassismus, Faschismus, Homophobie, Sexismus und ähnlichen Übeln abzugrenzen muss das Anliegen jeder/s Vertreterin/s einer öffentlichen Institution sein.

Nach dem Vortrag sollte es mit vollgefuttertem Magen gegen „Red Bull Braunschweig“ (Motto: Geld statt Tradition) gehen. Während wir uns anfangs noch einen Sieg ausrechneten, da „Red Bull Braunschweig“ genauso wenig mit Fußball zu tun hat, wie die „DGB Jugend“, wurden wir schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Wir konnten nach der Vorbereitung auf dieses Spiel auch nicht von einer gelungenen Grundlage sprechen. Wenn schon die Sufftras das Essen dem Bier vorziehen, sagt das einiges über den Zustand des Teams aus. Das einzige, was wir in diesem fünften Spiel trafen, war eine Bierflasche auf der gegenüberliegenden Tribüne, die der Mensch in unserem Tor mit einem gezielten Abstoß zum Bersten brachte.

Wir rechneten uns aus, wie lange es dauern würde, bis wir wieder in der Verfassung wären, die wir vor der Pause innehatten und schätzten, dass wir drei Aufwärmspiele benötigen würden. Schließlich hatte es auch drei Spiele gedauert, bevor wir den ersten Sieg für uns verbuchen konnten. Für das folgende Spiel gegen die „Blutgrätschen Quedlinburg“ hatten wir somit nicht viel Hoffnung, zumal wir vom letzten Turnier in Düsseldorf auch noch schlechte Erfahrungen mit einem anderen Team, welches unter dem Namen „Blutgrätschen“ firmierte, machen mussten. So kam dann auch eins zum anderen und jedes weitere Ausschmücken ist überflüssig.

Berlin
Solidarische Grüße aus Berlin! Keine Eintracht mit Nazis!
Auf geht’s RSC schieß ein Tor! Wehe wir hören von einem Vorrunden aus! ♥ – Sektion Berlin

Vor dem letzten Spiel erhielten wir noch einmal aufmunternde Worte von einem der Angsthasen, die sich nicht trauten, ihrerseits am Turnier teilzunehmen und machten uns mit einem kräftigen Schluck Bier bereit, dem „Nexus-Team“ aufzuzeigen, dass wir Fußballspielen können. Und tatsächlich schaffte es „Copy“ erneut, den Torwart mit einer geschickten Körpertäuschung (an dieser Stelle verbitten wir uns, von einem Fallen des Körpers durch Betrunkenheit zu sprechen) zu überlisten und das 1:0 für die Crew zu markieren. Leider traf die Crew ab da nur noch den Pfosten, oder das Lachzentrum der Zuschauer_innen, während das „Nexus-Team“ das 1:1 erzielen konnte. Der Crew reichte das um den schönen Tag mit Bier abzurunden und so wurde der Schlusspfiff doch mit einer gehörigen Portion Genugtuung entgegen genommen. Wieder wurde Geschichte geschrieben, doch wieder wurde der letzte Platz verpasst. Platz 13/16 stand am Ende zu Buche, was uns so überraschte, dass unsere Freund_innen beim Lesen des Twitteraccounts vor falsche Tatsachen gestellt wurden.

Vor der Final-Runde gab es erneut einen Vortrag, diesmal von den Aachen Ultras über die Entwicklungen in der Aachener Fanszene, den Bruch mit der Karlsbande, die Zuspitzung der Gewalt gegen ACU und das Unterlassen jeglicher Hilfe von Seiten des Vereins Alemannia Aachen, sowie des Fanprojekts.

Was hier erzählt wurde hatte wirklich Gänsehautpotential und wir können nur jeder/m wünschen, niemals in eine ähnliche Situation zu geraten. Hier machte sich der Verein durch das Kriminalisieren der Aachen Ultras und das Herunterspielen des Konfliktes auf einen reinen Fangruppenkonflikt zum Handlager der rechten Hooligans. Die Enttäuschung, Resignation und Hoffnungslosigkeit der Aachen Ultras machte sich besonders im Schlusswort deutlich, in dem klar gesagt wurde, dass dieser Verein, den mensch eins liebte mittlerweile zu einem Hassobjekt geworden sei. Wenn es so weit gekommen ist, dass Personen, die früher 24/7 für einen Verein gelebt haben, sich so distanzieren, weil ihre antirassistischen Positionen im Stadion als Provokation wahrgenommen werden, dann kann mensch nur traurig den Kopf schütteln. ACU mag Fehler gemacht haben, aber was aktuell in Aachen passiert ist weit mehr als das. Das ist ein riesengroßer Haufen Scheiße, der sich zwar schwarz-gelb tarnt, aber Scheiße bleibt braun. Für die Aachen Ultras können wir nur hoffen, dass sie sich in anderen Projekten verwirklichen und neu finden können. Vielleicht in einer anderen Sportart, vielleicht in einer anderen Stadt. Es wäre sonst schade um eure Ideen und um eure Vorstellungen von einem gemeinsamen Leben.

Anschließend folgten die Finalspiele und letztlich das Finale der beiden Braunschweiger Teams „Curva Nord“ und „Ultras Braunschweig“, welches letztlich „Curva Nord“ für sich entscheiden konnte. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei den Organisator_innen und Teilnehmer_innen des Turniers, die das Ganze zu einem unheimlich angenehmen Fußballnachmittag werden ließen. Wir freuen uns, nächstes Jahr um den zwölften Platz mit zu spielen. Die Rückfahrt lief dann relativ unspektakulär bei ein/zwei Bierchen, denn, ihr kennt das ja. „Ich kaufe ein f und möchte lösen“

Bekifft