Tage wie dieser – Rückblick Groningen

(sp) Es gibt Tage, an denen weiß mensch schon beim Aufwachen, dass sie gut werden. Bei manchen weiß mensch es schon am Tag zuvor beim Einschlafen. Und dann gibt es die Tage, auf die sich bereits ein halbes Jahr im Vorfeld gefreut wird. So ging es wohl fast allen Shocker_innen beim Betrachten der Spieltermine zu Beginn der Saison und der Feststellung, dass Groningen auf einem Samstag liegen würde. Einem Samstag zudem, an welchem noch nichts anderes stattfand und welcher somit weit im Vorfeld freigehalten werden konnte. Das schafften die einen besser als die anderen, aber im Endeffekt war die Vorfreude auf die Reise nach Groningen groß. So groß und so ansteckend, dass unser geplantes Reisegefährt und die Anzahl der mitreisenden Personen immer weiter wuchs und die Überlegung, einen Bus für die Fahrt zu mieten, sich schon bald als absolut brauchbar entpuppten.

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Nun liest sich so eine Busfahrt immer leichter, als die tatsächliche Vorbereitung und Durchführung dahinter ist. Die Bustickets für die Tour wollten wir z.B. beim ersten Heimspiel (wir erinnern uns, 23.11.2013) verkaufen, da wir hier eine größere Menschenmenge mit Interesse daran erwarteten und so auch in der Frist, die uns das Busunternehmen gesetzt hatte, bereits festmachen hätten können, ob die Busfahrt weiterhin realistisch ist. Mit der Absage des Heimspieltages kamen wir hier natürlich schon ins Rotieren. Nur ein ähnlicher Sachverhalt in Groningen hätte uns wohl noch mehr verzweifeln lassen. Die Planungsmasterminds der Crew schafften es aber doch und sowohl der (Getränke-)Einkauf als auch die Choreovorbereitungen waren bereits am Tag vor der Abfahrt abgeschlossen. Die Crew traf sich an besagtem Samstagmorgen früh zum Brötchen schmieren und gemeinsamen Einstimmen auf die Reise. Mit dabei diverse Sufftras, die gerade aus ihren Partylöchern kamen und ein letztes Bier zu trinken gedachten, die Reise an sich aber nicht antreten wollten. Auch unsere Gäste aus entfernten Städten, sowie die Sektionen, trafen langsam am Ort des Aufbruchs ein und als auch der Bus pünktlich vorfuhr, ahnten sich einige bereits in Groningen.

Doch zuerst hieß es, alles im Bus zu verstauen. Der Busfahrer kommentierte das Herantragen der Getränke nach einer Weile nur mit einem erstaunten „Was habt ihr denn vor?“, während viele Menschen halfen, die Gegenstände und Getränkekisten im Bus optimal zu arrangieren. Wie es so kommen musste, blieben dabei unsere gemalten Tapeten zuhause liegen. Wenn wir rausbekommen, wer dafür verantwortlich war, wird dieser Person wohl nahegelegt, der Sektion Münster beizutreten. Teil davon wird sie wohl noch nicht sein, denn so viel Verantwortung kann von den Münsteraner_innen eh niemand tragen. Sinnvoller die Tapeten zu vergessen, als das Bier, mag es ja trotzdem gewesen sein. Mensch kann halt nichts für die Überforderung einzelner. Die Sufftras hingegen waren nicht überfordert, sondern eigentlich in ihrem Element. Wenn sie nicht im Weg rumstanden, konsumierten sie weiter Alkohol und liebäugelten mit der Möglichkeit, im Bus noch kurz ein Feierabendbier zu sich zu nehmen. Während unsere Mitreisendenliste auf der einen Seite langsam schrumpfte, da einige Menschen nicht aufstehen wollten (Wohnort Münster) und andere nicht konnten (Verräter_innenschweine, bei denen liegt es in der Natur der Sache), wuchs die Liste auf der anderen Seite um eine Handvoll Sufftras.

So fuhren wir eine Viertelstunde nach angedachter Abfahrt (wir kennen den Schuldigen, noch ein Kandidat für die Sektion Münster) los. Unser Reiseleiter wies souverän auf die Verhaltensweisen auf einer Bustour hin, nachdem zuerst alle Freund_innen und auch Sektion Münster begrüßt worden waren. Auch die Sufftras stellten langsam fest, dass es doch ganz unernst nicht wahr. „Wo fahren wir eigentlich hin?“, „Ohne Alkohol wäre ich nicht hier“ und andere eloquente Beiträge versüßten gerade zu Beginn der Fahrt selbige. Mit den unterschiedlichsten Tätigkeiten vertrieb sich die illustre Reisegesellschaft die Zeit. So wurde im Bus gelernt, gegessen, geschlafen, gesungen, die Hallen-/Auswärtszecke gelesen oder einfach nur aus einem Benzinkanister Cola-Korn konsumiert. Vergnüglich stoppte der Bus bald darauf zur ersten Pause und entlud sich sehr fix. Hierbei kam es dann zu den üblichen Umgestaltungsvorgängen. Ihr kennt das ja, hier ein Loch buddeln, da einen Baum pflanzen. Was mensch eben so macht. Der Busfahrer kommentierte nicht, was wir bei ihm als positiven Charakterzug verbuchten und nachdem alle fertig umgestaltet hatten, das Bier wieder aufgefüllt war und auch die letzte Person fertig mit Kotzen war, ging es weiter Richtung Groningen, entlang durch Feindesgebiet – Dem Emsland.

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Unser Reiseleiter griff sich wieder das Mikrophon und gab uns eine großartige Einführung in das Wesen der Emsländer_innen und des Emslands als solchem. Dem Alkoholkonsum war der Vortrag auf jeden Fall zuträglich, denn im Großteil ging es doch ums Saufen und diverse Kornbrennereien, die es im Emsland scheinbar in jedem Keller gibt. Von den Emsland Rollis fehlte im Vortrag, der jede noch so kleine Besonderheiten des Emslands betonte, allerdings jegliche Spur.

Wir erreichten die Grenze ohne weitere sonderlich erwähnenswerte Ereignisse und auf dem Weg zur Halle kamen uns dann Erinnerungen an die letzte Tour nach Groningen. Mensch, was waren wir heute nüchtern im Vergleich zum Jahr davor. Oder aber, wir waren so viele, dass die zwei bis fünfzehn Sufftras nicht so auffielen, wie zuvor. Zuletzt hatten wir Groningen mit einem Neunerbus und einem Auto angereist, nun also mit einem 57er Bus. Unser Reiseleiter war sich trotzdem sicher, dass der Bus kaum größer sei als letztes Jahr und ließ den Busfahrer erst einmal vor die Halle manövrieren. Unser Busfahrer konnte nicht nur gut schweigen und das Schauspiel in den Pausen über sich ergehen lassen, nein, auch Busfahren hatte er drauf. Ohne ein Wort des Ärgers badete er die dümmliche Idee unseres Reiseleiters aus und wendete auf kleinstem Platz um uns kurz darauf aus dem Bus zu entlassen. Etwa zeitgleich mit uns kam das Team des RSC Osnabrück im Bulli, sowie aus der anderen Ecke ein Bullenwagen, an. Warum dieser mitten im Nichts an einer Halle rumgurkte, konnte nicht geklärt werden. Probleme gab es aber keine und so wurde sich bepackt und der Weg zur Halle angetreten.

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Es war schon ein schönes Bild, überall in der Halle, draußen und auf der Tribüne Shocker_innen zu sehen, die sich für den Tag einrichteten. Der Tresen der lokalen Gastronomie fand darüber hinaus schnell seine Fanbasis und Sektion Frankfurt vermittelte sogar mit niederländischen Sprachkenntnissen einige schmackvolle Biere an nicht so sprachgewandte, aber durstige Mitfahrer_innen. Das Bier war zwar nicht ganz billig, trotzdem wurde versucht, einen Kasten zu erwerben um die Örtlichkeiten weiter zu unterstützen. Leider konnte der Barkeeper auf das Angebot nicht eingehen, da es ein Glasflaschenverbot für die Tribüne gab. Zwar guckte er bei unserem Betreten immer schön weg und sprach unsere mitgebrachten Flaschen nicht an, müsse dies aber ja nicht auch noch fördern. Schade, aber dennoch eine sehr kulante Haltung und ein Grund, warum wir uns in Groningen so freundlich aufgehoben fühlen. Im Folgenden wurde die Choreo vorbereitet und die Auswärtszecke in der Halle verteilt. Bei den Emsland Rollis fand sich genau ein_e Abnehmer_in, während sich beim Team aus Groningen fleißig dafür bedankt wurde und alle ihr Exemplar erhielten. Gut, dass wir die Auswärtszecke in gegenseitigem Respekt auch auf Niederländisch vorbereitet hatten, während wir eine Überarbeitung zur Verständlichkeit der Emslandbevölkerung nicht vornahmen.

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Dann sollte es endlich losgehen. Zu einem großen Joschi (von Super Mario) mit Basketball in der Hand und einem großen „Super RSC“ flogen diverse Kassenrollen. Die Prophezeiung, dass die Halle groß genug sei und die Kassenrollen nicht mal bis aufs Feld fliegen würden, bestätigten sich, während die Prophezeiung bzgl. der Größe des Joschis und der Annahme, dieser würde wohl locker vor die Tribüne passen, beinahe um ein paar Zentimeter falsch gewesen wäre. Auch wenn die Kassenrollen nicht wirklich auf das Feld geflogen waren, sammelten sich schnell einige Shocker_innen um diese zu beseitigen und von unten das „Aux Armes“ anzustimmen. Ein guter Auftakt in einen Support, der in der Folge nie an Intensität verlor. Bis auf Sektion Münster hatten alle Bock zu singen und selbst einige Sufftras rissen sich zusammen. Wenn an der einen Ecke der Tribüne der Gesang abebbte, entsprang er an der anderen Ecke umso lauter. Sektion NEUmünster konnte hier ebenfalls kräftig punkten, da sie mit Textsicherheit und Melodiekenntnis alle naheliegenden Erwartungen auf Grund der Namensähnlichkeit zu Sektion Münster entkräften konnte. Auch auf dem Spielfeld verzauberte uns das Team des RSC Osnabrück. Zur Halbzeit führten unsere Spieler_innen mit 27:17 Punkten und ließen bereits zu diesem Zeitpunkt kaum noch Zweifel zu, wer hier als Gewinner_in vom Platz kommen würde.

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Doch dann folgte das, was wir aus den Ausführungen unseres Reiseleiters über das Emsland nur erahnen hätten können. Die Punkterichter_innen versuchten das Unmögliche. Mit den Augen betrachteten sie das unterhaltsame Geschehen auf der Tribüne, während sie nebenbei versuchten, die Spielzüge des RSC Osnabrück zu verstehen, die in einer selten gekannten Geschwindigkeit vorgetragen wurden. Derart multiple gefordert stellten sie irgendwann ihre Tätigkeit ein und beschränkten sich darauf, die Punkte nicht mehr nach erfolgreichen Korbwürfen zu verteilen, sondern so, dass das Spiel ausgeglichen und spannend blieb. Hier mal ein Punkt mehr für das Emsland, hier mal zwei Punkte weniger für den RSC Osnabrück. Doch irgendwann flog auch die nett gemeinte Punkteverteilung auf und es gab Proteste aus allen Lagern. Ob das Emsland protestiert hat, wissen wir nicht mehr so genau. Dass sie nicht verstanden haben, dass sie nur führen, weil die Punkterichter_innen es gut mit ihnen meinten, könnten wir uns vorstellen und von daher mag es auch so gewesen sein, dass auch das Emsland gegen die Wertung aufgebahr.

Die Crew überbrückte die Zeit der Entscheidungsfindung mit weitersingen und dem Versuch in Erfahrung zu bringen, was hier genau vorgefallen war und wie das Spiel weiterlaufen würde. Irgendwann folgten eine Art technische Freiwürfe. Mal für den RSC Osnabrück, mal für das Emsland und der Endstand von 48:43 gegen den RSC war ebenfalls irgendwann final. Bis dahin hatte die unterhaltsame Aktion der Punkterichter_innen dazu geführt, dass die Crew etwa zwanzig Minuten länger sang, als sie es bei einem normalen Spielverlauf getan hätte und sowohl wir als auch das Team sehnte die Pause herbei. Ein kurzer Plausch mit unserem Trainer erbrachte die Erkenntnis, dass der RSC Osnabrück aus Kostengründen keinen Protest gegen die Wertung für die Emsländer_innen einlegen würde, auch wenn das auf Grund der Geschehnisse absolut nachvollziehbar gewesen wäre. Das wiederrum das Emsland davon überzeugt war, nicht anders gegen uns gewinnen zu können, spricht Bände über deren Teamgeist. Meppen, das Epizentrum der Emsland Rollis kann uns mal ganz weit den Buckel runterfahren. Wir haben lange gesucht, es kaum vermisst und doch ist es jetzt in anderer Form wieder da. Meppen – Das Nordhorn des Emslands!

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Wir regenerierten uns bei einem kurzen Trott zum Bus und dem Auffüllen unserer Speisen, bevor es nach einer kürzeren Pause gegen die Gastgeber_innen aus Groningen ging. Ähnliches Setting: Ein überragender RSC Osnabrück, gepusht durch die überragende Stimmung auf der Tribüne, ließ die Halle wackeln. Wenn auch der Halbzeitstand eine geringere Punktedifferenz zwischen dem RSC Osnabrück und Groningen aufwies als bei der Partie gegen die Emsland Rollis (24:31 Punkte für die Guten), reichte der Vorsprung zu einem eigentlich nie gefährdeten Sieg (47:65 Punkte für die Guten). Vorstellbar wäre, dass auch an dieser Stelle das beherzte Agieren der Crew dem Team den Rücken freihielt. Mit der Wachsamkeit eines dreiköpfigen Hundes behielt sie den Punktestand genau im Auge und konnte tatsächlich auf Unregelmäßigkeiten aufmerksam machen. Sobald die Tumulte auf der Tribüne starteten, besannen sich die Punkterichter_innen auf ihren Job und sortierten die Punkte ruckzuck so, wie sie denn eigentlich sein mussten.

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Wir feierten auch das komplette zweite Spiel und am Ende konnte mensch in viele glückliche, wenn auch erschöpfte Gesichter blicken. Auch das Team war gut zufrieden. Leider fehlte etwas die Zeit zum gemeinsamen Verabschieden, da wir nach dem Aufräumen der Tribüne zum Bus mussten. Schließlich hatte uns das erste Spiel etwas in Verzug gebracht. Es folgte noch ein kurzes Foto mit allen Mitreisenden auf welchem Sektion Münster zum Glück fehlte. Beim anschließenden Antreten der Rückreise waren sie allerdings wieder dabei, lösten sich aber kurz darauf auf um der Sektion Sufftras beizutreten. Mitbekommen hat davon wie immer niemand etwas, es interessierte schlicht und ergreifend niemanden. Die Rückfahrt war von guter Stimmung und immer noch beweglichen Stimmbändern geprägt. Unser Reiseleiter machte weiterhin einen grandiosen Job und ließ auch beim letzten Stopp vor der deutschen Grenze noch einmal sein komplettes Potential erkennen, als er die Reisegruppe auf die benachbarte Bullenstadion aufmerksam machte und empfahl, hier nicht so zu eskalieren. Wir können ihm also danken, dass wir vollzählig und im Zeitplan Osnabrück erreichten. Die Vorräte wurden aus dem Bus geholt und es begann ein geselliges Beisammen sein.

Wir danken allen, die mit uns diese Tour bestritten haben. Den Shocker_innen, die sich um das Essen und Trinken, die Choreos und die Busorga gekümmert haben. Den Sufftras, die zu unerbittlich waren, als sich morgens vom Suff ins Bett zwingen zu lassen. Den vielen Gästen, welche teilweise das erste Mal mit uns unterwegs waren und die trotzdem nie als Fremdkörper in der Kurve oder im Bus wahrgenommen wurden. Den Gastgeber_innen in Groningen, die uns gewähren ließen, egal was wir auch taten und stets ein Lächeln für unser Treiben über hatten und wir danken unserem Team und Trainer_innengespann. Mit euch geht uns das Herz auf und die vielen Lieder die von eurer Einmaligkeit und unseren Gefühlen zu euch berichten, sind unser Versuch, euch etwas davon wieder zu geben.

Wie schon das Vorwort in der Auswärtszecke an besagtem Spieltag endete, so schließt auch dieser Text:

Bereits Teil der Legende – IHR!

PS: Wir danken auch Sektion Münster. Schön, dass ihr so unauffällig wart und euch weitestgehend zurückgehalten habt.

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(Text erschienen in der Hallenzeck #7)

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1 Antwort auf „Tage wie dieser – Rückblick Groningen“


  1. 1 Christian 14. Februar 2014 um 17:05 Uhr

    Ich finde die Texte immer wieder gut.
    Daumen hoch.

    Was ihr in Groningen gemacht habt, aller erste Sahne (eigentlich die ganze Saison über).

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